KARPFENTEICH

Gut gemacht….Europa

Zölle auf Erdnussbutter und Motorräder sind keine Schnapsidee. Wer diese EU-Zölle auf US-Produkte als lächerlich bezeichnet hat, wird jeden Tag eines besseren belehrt. Denn diese vermeintlich lächerlichen Zölle zeigen offenbar doch ihre Wirkung. Die Stimmung in Amerika kippt. US-Präsident Donald Trump bekommt Gegenwind aus dem eigenen Lager.

Natürlich sind Zölle auf Whiskey, auf Motorräder, auf Erdnussbutter erst mal Peanuts. Denn wäre die EU nach dem Motto verfahren “Wie du mir, so ich dir”, dann hätte sie gleich ein ganzes Feuerwerk an Zöllen zünden können. Sie hätte zumindest das Volumen von sechs Milliarden Euro ausschöpfen können, so viel schlägt nämlich Trump in den USA seit 1. Juni auf Stahl- und Aluminium-Importe aus Europa obendrauf.

Die EU hat bewusst auf Nadelstiche gesetzt, um den Streit nicht gleich eskalieren zu lassen. Nadelstiche sind zwar keine Keulen, aber auch sie tun weh. Sie treffen offenbar wirklich die, die Trump unterstützen, die Trump für sein politisches Überleben braucht. Eben Senatoren und Kongressabgeordnete aus Bundesstaaten, wo Harleys, Erdnussbutter und Whiskey hergestellt werden. Und das war ja genau der Plan der EU.

Der Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, war der erste, der Trump schon vor Wochen wissen ließ, es gebe bessere Wege als Strafzölle, um amerikanischen Arbeitern und Verbrauchern zu helfen. Inzwischen kippt in den USA sozusagen flächendeckend die Stimmung. Im Finanzausschuss des Senats ist Handelsminister Wilbur Ross, der Vater der Strafzölle, am Mittwoch von republikanischen Senatoren scharf kritisiert worden. Orrin Hatch aus Utah warnte bereits vor der nächsten Eskalationsstufe, nämlich möglichen Autozöllen auf europäische Importwagen. Das wäre dann wie eine Steuer für amerikanische Familien.

Pat Toomey aus Pennsylvania will jetzt sogar per Gesetz verhindern, dass Trump in Sachen Zöllen Amok laufen könnte. Und die “ach so wohl gemeinte” Politik seines Präsidenten bezeichnet er als wirtschaftlichen Nationalismus.

Je mehr Republikaner Trump die Stirn bieten, desto eher kommt der launische Präsident von seinem Zoll-Trip runter. Zölle auf Erdnuss-Butter mögen lächerlich klingen, aber offenbar können sie auch ungeahnte Kräfte freisetzen. Von daher: Gut gemacht, liebe EU!

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