KARPFENTEICH

Für drei Menschen war das ein besonders erschöpfender Parteitag…: Es sind Angela Merkel, Markus Söder und allen voran Horst Seehofer. Die drei Unionsgranden waren zwischen gestern und heute sehr bemüht darum, wiedergewonnenen Frieden zu demonstrieren, gegenseitigen Respekt zur Schau zu stellen und zu zeigen, sie können miteinander – auch wenn es im Fall von Merkel und Seehofer monatelang, im Fall von Söder und Seehofer sogar jahrelang ganz und gar nicht so war.

Sie alle standen in Nürnberg unter so verschärfter Beobachtung, dass es sie wahnsinnige Anstrengungen gekostet haben muss, das Dauergrinsen, das kollegial fast liebevoll miteinander Wirken aufrecht zu erhalten. Doch sie haben es geschafft, weil sie verstanden haben: Der ewige Streit bringt niemanden weiter. Nur sind die persönlichen Probleme damit ja nicht ausgelöscht. Selbst wenn das viele zerschlagene Porzellan spätestens mit diesem CSU-Parteitag wieder geklebt ist – ganz heil kann es nicht mehr werden, die Risse bleiben.

Horst Seehofer, Angela Merkel und auch Markus Söder sind Profis genug, um sich auch die nächsten Wochen zusammen zu reißen und – zu raufen. Aber was, wenn die CSU bei den Sondierungen mit der SPD nicht alles durchsetzen kann, was ihr am Herzen liegt? Was, wenn der Umfragetrend für die Landtagswahl in Bayern auch mit dem neuen Spitzenkandidaten Markus Söder abwärts geht? Was, wenn die CSU im kommenden Herbst die absolute Mehrheit verliert?

Spätestens dann wird die mühsam geklebte Geschlossenheit wieder zerbrechen, werden gegenseitige Schuldzuweisungen für neue Gräben sorgen… CDU und CSU haben zwar beschlossen, sich wieder zu vertragen, sie haben darüber hinaus aber längst noch nicht entschieden, welche Konsequenzen auf die Einsicht “Wir haben verstanden” folgen… (Seehofers) Auftritt (auf dem Parteitag) war gedämpft, der Applaus verhalten. Und er ist nicht der Einzige, der vom langen gegeneinander Kämpfen so erschöpft wirkt, dass für die jetzt ausgerufene gemeinsame Entschlossenheit am Ende die Kraft fehlen könnte.

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