KARPFENTEICH

Spaß macht es dem EU-Chefverhandler spürbar nicht, sich in “Täglich grüßt das Murmeltier”-Manier nach jeder gescheiterten Brexit-Gesprächsrunde vor die Brüsseler Journalisten zu stellen und zu verkünden, dass es leider mal wieder keinen Fortschritt gegeben habe… Michel Barnier greift nun zum letzten Mittel, das er in der Sakko-Tasche hat: der Drohung. Gibt es in zwei Wochen keine britische Bewegung bei der Austrittsrechnung, gibt es im Dezember auch keine Gespräche über einen Handelsvertrag.

Der Frust des Franzosen ist nur allzu verständlich: Trotz aller vollmundigen Ankündigungen… hat die britische Regierung in Sachen Scheidungsvereinbarung jedoch weiterhin den Igel in der Tasche… Noch immer scheint man in London darauf zu hoffen, dass Angela Merkel im Interesse der heimischen Industrie im letzten Moment Zugeständnisse machen und bei der Rechnung zwei Augen zudrücken wird. Doch Merkel sind EU-Zusammenhalt und EU-Binnenmarkt weit wichtiger – und übrigens auch die deutschen Steuerzahler. Schon kursiert ein EU-Parlamentspapier, dem zufolge bundesrepublikanische Milliarden künftig die Löcher stopfen sollen, die wegen des britischen Ausstiegs im EU-Haushalt klaffen werden. Hier ist das letzte Wort noch lange nicht gesprochen. Doch dem deutschen Steuerzahler zu verkaufen, dass London noch nicht mal seine bereits vor Jahren eingegangenen Verpflichtungen zu begleichen bereit ist, wird schwer.

Eine Garantie dafür, dass in den kommenden vierzehn Tagen auf der Insel ein Sinneswandel stattfindet, gibt es nicht. Zu wünschen aber wäre es – für beide Seiten. Mit jeder neuen Verhandlungsrunde hat man sich dichter an das heran bewegt, was die Briten den Klippenrand nennen. Sollte man nun bis Dezember keine Einigung bei den Ausstiegsfragen erzielen, droht zumindest wirtschaftlich der Sturz in die Tiefe… Für die EU wäre das hart, aber verkraftbar. Sie dürfte auf dem Weg in den Abgrund bald einen Ast zu fassen bekommen, an dem sie sich festhalten kann. Doch die Briten werden im eiskalten Wasser der globalisierten Wirtschaft landen – und dann vermutlich feststellen, dass es zu spät ist.

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