KARPFENTEICH

Beschämend findet es Bundesentwicklungsminister Müller, inakzeptabel, dass die Weltgemeinschaft schon wieder zu spät dran ist. Dass sie zusieht, wie im Jemen und in mindestens vier (weiteren) Ländern Afrikas gleichzeitig an Hunger gestorben und gelitten wird. Recht hat der Minister. Immerhin hat er gerade 300 Millionen Euro für Ostafrika auf den Tisch gelegt. Umso deutlicher muss ich sagen: Es ist ein Skandal, dass die Weltgemeinschaft insgesamt nicht fähig oder nicht Willens ist, drei bis vier Milliarden Euro aufzubringen. Denn die würden jetzt sofort gebraucht – für die teure Nothilfe, die übrigens deshalb so teuer ist, weil zuvor in Prävention, in Vorsorge nichts oder viel zu wenig investiert worden ist.

Ein Skandal ist in meinen Augen aber auch das Krisenmanagement der Afrikaner selbst… Der neue Kommissionspräsident der Afrikanischen Union musste eingestehen, es gäbe keinen Grund für Afrika, diese Hungersnot nicht selbst zu bewältigen. Stimmt, viele Mitglieder der AU können auf ordentliches Wirtschaftswachstum verweisen, aber Solidarität, Engagement? Ausgerechnet arme und selbst betroffene Staaten… wachsen über sich hinaus und nehmen Flüchtlinge auf, ansonsten Fehlanzeige. Das Powerhaus Südafrika versinkt aktuell in innenpolitischen Krisen. Der Erdölriese Nigeria, der Schlüsselstaat Ägypten, beschäftigt mit Korruption und Anti-Terror-Kampf. Algerien, Marokko umgarnt von der EU in Sachen strategischer Fluchtursachenbekämpfung. Die, um die es hier aber geht, brauchen Soforthilfe…

Hunger ist menschengemacht und menschenverachtend… (Mitleidsbekundungen des südsudanesischen Präsidenten sind) pure Heuchelei. Denn so, wie die Rebellen, setzt auch seine Regierungsarmee Hunger als Waffe ein und greift Hilfskonvois an. Und die Afrikanische Union? Hält Krisensitzungen ab, schämt sich nicht einmal, sich in einem Kommuniqué auch noch selbst zu loben für lächerliche 200.000 US-Dollar für mangelernährte Kinder, nur ein paar Abschnitte weiter die Weltgemeinschaft an ihre Hilfszusagen zu erinnern… Herzlichen Glückwunsch zu diesem verheerenden Afrika-Bild. So sieht er also aus, der Kampf gegen den Hunger im Jahr 2017… Wenn die vermutlich größte humanitäre Katastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg kein Umdenken zur Folge hat, kein starkes gemeinsames Handeln, was denn dann?

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