KARPFENTEICH

Top Secret: USA und Europa

Binnen weniger Stunden ist einer zunehmend fassungslosen Öffentlichkeit in den USA und im Ausland bewusst geworden, dass es sich bei der anstehenden Inauguration in Washington nicht um einen gewöhnlichen Amtswechsel handelt, sondern um einen tief greifenden Kulturwandel. Wenn Donald Trump am 20. Januar in das Oval Office einzieht, wird sich das Gesicht der Vereinigten Staaten fundamental verändern.

Am Dienstag sah man einen scheidenden Präsidenten Obama, der sich in einer großen versöhnenden Rede an sein Volk wandte und in würdevoller Haltung Abschied nahm. Am Mittwoch sah man einen Präsidenten in spe, Trump, der sich in einer Pressekonferenz unbeherrscht und dünnhäutig gab wie bei seinen schlimmsten Auftritten im Wahlkampf und sich erkennbar nicht im Griff hatte…. Hier ein scheidender Präsident, der sich Sorgen um die Demokratie in seinem Land macht. Dort ein künftiger Präsident, der mit jedem Satz deutlich macht, wie berechtigt diese Sorgen sind.

Donald Trump hat noch gar nicht sein Amt angetreten, da beschleicht einen das Gefühl, dass diese Präsidentschaft an einem seidenen Faden hängt – und mit ihr das Ansehen, das Prestige, das Gewicht der Vereinigten Staaten von Amerika. Eine krisenhafte Stimmung hat sich bleischwer über das Land gelegt und die Frage steht im Raum, ob dieser Spuk nicht einfach vorüber gehen kann.

Der Spuk: Das ist der Bruch mit moralischen Werten, die sich auch an der bisher üblichen Praxis zeigten, öffentliches Amt und private Geschäfte fein säuberlich voneinander zu trennen… Der Spuk: Das sind auch die Verdachtsmomente, die ein bisher unbestätigtes Geheimdienst-Dossier gegen ihn gerichtet hat. Besonders schwerwiegend der Vorwurf, es habe Kontakte seines Wahlkampfteams zu russischen Regierungs-Hackern gegeben, die Hillary Clinton diskreditieren und Donald Trump im Wahlkampf begünstigen sollten…

Vielsagend das Schweigen auf dem Kapitol, wenn es um die emsigen Ermittlungen geht, die die US-Geheimdienste unter Hochdruck anstellen. Peinlich das Wegducken der Republikaner als Antwort auf die Forderung, jetzt und sofort einen überparteilichen Untersuchungsausschuss ins Leben zu rufen. Die Uhr läuft: Wenn bis zum 20. Januar aus den Verdachtsmomenten keine Beweise geworden sind, ist Donald Trump Präsident. Und die Akte Russland verschwindet noch am selben Tag als “top secret” in der Schublade der Staatsgeheimnisse.

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