KARPFENTEICH

Demenz in Europa….?

Man muss nicht auf die deutsche Geschichte verweisen um zu wissen, dass diese Frage zu denen gehört, die ethisch schwer zu entscheiden sind: Darf Arzneimittelforschung betrieben werden an Patienten, die zwar früher einmal ja gesagt haben, die zum Zeitpunkt der Studie aber nicht mehr einwilligen können…? Es klingt, als würde hier ein Tabu berührt. Trotzdem aber hat der Bundestag heute richtig entschieden, als er solche Studien mit hohen Hürden erlaubte. Und das liegt auch an der Art, in der die Abgeordneten ihre Antwort gefunden haben… Ohnehin darf es solche Studien nur geben, wenn eine Schädigung des Teilnehmers nicht zu erwarten ist. Nur weiß man das ganz genau eben doch immer erst hinterher.

Ist es also ethisch zu vertreten, den Probanden einem Risiko auszusetzen…? Es gelten die allgemeinen hohen Hürden… Wichtiger aber ist: Hier geht es um einzelne Menschen. Sie haben ihre Würde in ihrer Schutzbedürftigkeit. Aber Teil ihrer Menschenwürde ist es auch, dass sie als diejenigen akzeptiert werden, die sie sein wollten. Deshalb sind frühere Entscheidungen – so lange sich keine Schwierigkeiten abzeichnen – zu akzeptieren. Und die Entscheidung, altruistisch, zum Wohle anderer an einer Studie teilnehmen zu wollen, ist dann Teil dieser Würde. Nur sind hehre Worte wie Menschenwürde das Eine. Was daraus in der Praxis wird, ist das andere. Deshalb ist allgemein die Verantwortung der Ethik-Kommissionen so groß. Deshalb ist im Einzelfall die Verantwortung des Betreuers, der jede Studienteilnahme beenden könnte, so groß. Und deshalb hat auch der Bundestag auf den letzten Metern das Gesetz noch im zentralen Punkt verbessert, mit besserer Aufklärung des Probanden, solange es möglich ist. Denn ohne die kann man von Autonomie nicht sprechen.

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