KARPFENTEICH

Euroskeptizismus

Ideen sind einflussreicher als Personen, das ist beim Euroskeptizismus nicht anders: man erkennt einen ideologischen Sieg daran, dass einstige Gegner eine Politik praktizieren, die sie vorher bekämpft hatten und frühere Feinde anheuern, um sich von ihnen bei dieser Aufgabe unterstützen zu lassen. Kapitalismus triumphiert, wenn Ex-Sozialisten die Wirtschaft privatisieren, deregulieren und Steuern kürzen; der Euroskeptizismus gewinnt, wenn Ex-Befürworter eines EU-Verbleibs uns nun aus der EU herausführen.
Darum sollten wir Theresa May als neue Premierministerin willkommen heißen. Sie hat versprochen, dass Brexit wirklich Brexit bedeutet, ebenso wie Philip Hammond, unser neuer Schatzkanzler. Und sie hat gesagt, es werde keinen Weg zurück geben. Sie kann beim Wort genommen werden. Dass sie Boris Johnson in einem begeisternden Schachzug zum Außenminister gemacht hat, bestätigt diese Gewissheit. (…) Boris zu ernennen war eine exzellente Idee: er glaubt an den Brexit, aber er ist pro-europäisch; er will zusätzliche Kontrolle über die Migration, aber er ist für Einwanderung. Seine Ernennung wird helfen, den Brexit als ein liberales und die Globalisierung befürwortendes Projekt zu zementieren.

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