KARPFENTEICH

Prost! Diese Rentenerhöhung haben sich die zwanzig Millionen Rentner nach vielen mauen Jahren verdient. Ein Grund zur Freude, für den Moment, nicht für die Ewigkeit. Denn alle wissen, in zehn, zwanzig, dreißig Jahren wird die Rentenwelt anders aussehen. Apokalyptische Armutsszenarien für das Renten-Deutschland im Jahr 2030 und später gibt es viele, zu viele. Altersarmut weckt Ängste, schürt Neidgefühle, selbst bei denjenigen, die sich eigentlich glücklich schätzen müssten – den heutigen Rentnern, den wohlhabendsten aller Zeiten. Nicht alle, wir kennen sie: Menschen, die mit Minirenten nicht über die Runden kommen und auf staatliche Unterstützung angewiesen sind… Vier, vielleicht fünf Prozent aller Rentner leben heute in Deutschland in Altersarmut. Das ist beklagenswert, aber kein Skandal, sondern eine zumutbare Herausforderung für den Sozialstaat, die er meistern kann.

In zwanzig Jahren wird das ungleich schwerer sein – wegen der demografischen Verschiebungen im gesetzlichen Rentensystem und wegen der schmerzhaft niedrigen Anlagezinsen bei der privaten Vorsorge. Die demografischen Probleme haben wir uns durch Kinderverweigerung selber eingebrockt. Für die lachhaft niedrigen Zinsen können wir uns bei übermütigen, bisweilen kriminellen Finanz- und Politikhasardeuren bedanken. Wer heute zwanzig, dreißig oder auch vierzig Jahre alt ist, für den ist die Altersvorsorge ein Vabanquespiel. Und weil Unsicherheit nun mal ein von uns Deutschen ungeliebtes Kind ist, rufen viele nach dem Staat, der mit der gesetzlichen Rente jedem einen auskömmlichen Lebensabend garantieren soll. Das wird nicht gelingen. Das Rentenniveau wieder erhöhen? Vom Staat nicht finanzierbar! Die Steuern einfach erhöhen? Ja, aber für Bildung und Infrastruktur. Die Rentenbeiträge erhöhen? Die Jungen werden sich bedanken! Beamte und Selbstständige in der gesetzlichen Rente zwangsversichern? Bringt nichts, weil damit nicht nur neue Zahler, sondern auch neue Empfänger kommen.

Wer das Alter halbwegs absichern will, muss auf die private und betriebliche Vorsorge setzen, als Bürger und als Staat. Auch wenn die Riesterrente heute als gescheitert gelten muss: Der Grundgedanke der damaligen Rentenreform war richtig. Das sollte Bundessozialministerin Andrea Nahles bei der nächsten Rentenreform beherzigen. Arbeitgeber und Gewerkschaften als Tarifpartner auch – mit neuen betrieblichen Bündnissen für die Altersabsicherung, die der Staat subventioniert und stimuliert, besonders in kleinen Unternehmen und für Arbeitnehmer, die kaum mehr verdienen als den gesetzliche Mindestlohn. Denn Mindestlöhner und Solo-Selbstständige sind am meisten von Altersarmut bedroht. Die allermeisten heutigen Rentner sind es nicht.

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