KARPFENTEICH

Putin und seine Regierung haben ein anderes Verhältnis zur Gewalt als die meisten westeuropäischen Politiker. Das haben sie mehrfach bewiesen – in Tschetschenien, in Georgien, in der Ukraine und auch im Inneren gegenüber Demonstranten und Kritikern. Für Wladimir Putin ist Gewalt ein legitimes Mittel der Politik. Ebenso ist es mit Betrug. Das sehen wir aktuell bei den Recherche-Ergebnissen zur Dopingpraxis in Russland. Russland spielt falsch. Bereits vor Jahren hat die Regierung Russlands begonnen, Spielregeln zu verletzen und Staaten ausgelacht, die sich daran halten.

Wer aber mit anderen zusammen etwas machen möchte, der muss sich auch an die gemeinsamen Regeln halten. Das war schon auf dem Schulhof so, so ist es in der Politik, so ist es im Sport. Russland verdirbt Geschäfte, Russland verdirbt die Stimmung beim Sport, Russland gefährdet den Weltfrieden und zeigt das deutlich: Russland hält seit Monaten ein Großmanöver nach dem anderen ab.

Deeskalation wäre schön. Aber wer gewährleistet, dass Russland da richtig spielt? Mir ist schleierhaft, wo Außenminister Frank-Walter Steinmeier die Zuversicht hernimmt, beidseitig zu deeskalieren – so schön das wäre. Die Erfahrungen bei der Umsetzung des Friedensabkommens für die Ukraine stehen dem entgegen. Die russische Regierung will nicht und gibt anderen die Schuld für das Scheitern. Auch dabei wird sie ein ums andere Mal des falschen Spiels überführt.

Gibt es irgendjemanden in der westlichen Diplomatie, der dieser russischen Regierung noch in irgendeinem Punkt glaubt? “Wir sind ein Siegervolk; das haben wir in den Genen”, hat Putin mehrfach gesagt. Und der Rest der Entourage hat den rassistischen Schwachsinn nachgeplappert. Russland leidet unter massiver Selbstüberschätzung. Russland siegt mittels Regelverstoß. Und wenn es dabei erwischt wird, wenn es gar Spieler gibt, die unter den Bedingungen nicht mehr mitspielen wollen, sind die dann voreingenommen und feindlich?

An der Misere, in der Russland steckt, sind nicht die anderen schuld. Es ist die Regierung Russlands. Diese Regierung ist gefährlich. War es deshalb falsch, Russlands Leichtathleten auszuschließen? Dieser Ausschluss wird von vielen Russen als feindlicher Akt wahrgenommen. Ein großer Teil der Bevölkerung ist von den gelenkten Massenmedien längst hirngewaschen, ein weiterer großer Teil glaubt nicht, jemals etwas ändern zu können. Dass diese Maßnahmen nicht gegen Russen gerichtet sind, kommt in der Bevölkerung nicht an.

Den Regelverstoß durchgehen lassen, geht nicht. Die Konsequenzen können jedoch verheerend sein, wenn das Regime das Siegen durch einen Befreiungsschlag wiederherstellt. In Frage kommt ein Krieg. Georgien wäre ein Ziel. Georgien orientiert sich nach Westen, ist jedoch nicht Teil der NATO. Niemand im Westen wird für Georgien in den Krieg ziehen; das wurde bereits beim Einmarsch russischer Truppen 2008 klar. Anschließend gab es übrigens den sogenannten Reset-Button, einen Neustart der Beziehungen. Das Ergebnis war die Annexion der Krim.

Das Rezept, die Regierung unter Putin zur Vernunft zu bringen, wird noch gesucht.

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