KARPFENTEICH

Es hätte so schön werden können: Die Flüchtlingskrise in Europa wird europäisch gelöst. Menschen mit Asylrecht werden in Zukunft gerecht innerhalb der EU verteilt. So will es die EU-Kommission. Doch das ist nur eine politische Träumerei. Denn das wahre Leben sieht leider anders aus.

Und weil das so ist, werden beide Kommissionsvorschläge auch keine schnelle und gute Lösung bringen. Vorschlag eins belässt alles beim Alten, denn das umstrittene Dublin-System soll bleiben. Und das, obwohl bekannt ist, dass es nicht funktioniert, weil das System nicht auf einen massenhaften Andrang von Flüchtlingen ausgelegt ist – und weil es auch schon vor der Flüchtlingskrise ungerecht war. Denn es belastet erst einmal nur einige wenige Länder, wie Griechenland und Italien – eben die, bei denen die meisten Menschen ankommen.

Das marode Dublin-System wird nicht dadurch besser, dass man ihm eine Rettungsklausel anheftet. Wenn ein Land mit zu vielen Flüchtlingen überfordert ist, sollen andere EU-Staaten ihm welche abnehmen. Doch mal ganz ehrlich: Wie soll das funktionieren? Die Umverteilung von Flüchtlingen in der EU läuft bislang überhaupt nicht. Das sieht man schon daran, dass von den 160.000 Menschen, die seit gut einem halben Jahr aus Italien und Griechenland in andere EU-Länder gebracht werden sollten, gerade einmal gut 1000 verteilt worden sind – also weniger als ein Prozent.

Tweet about this on TwitterShare on Facebook0Share on Google+0Share on LinkedIn0
Author :
Print