KARPFENTEICH

Es rächen sich jetzt Jahre des Selbstbetrugs, denn dass Griechenland selbst beim besten Willen nicht in der Lage ist, seine 14.000 Kilometer lange EU-Außengrenze zu schützen, ist nichts Neues; dieses Land trotzdem in das Schengen-System aufzunehmen war eine der üblichen Selbstbetrugsmanöver der Union. Jetzt ist Europa völlig vom Kooperationswillen der Türkei abhängig, damit die Menschenhändler vielleicht irgendwann entmutigt werden. Doch was, wenn die Türkei lieber weiter indirekt von den Milliarden der Menschenschmuggler profitiert, als auf die Milliarden aus Brüssel zu warten? Was, wenn der Flüchtlingsstrom noch weiter zunimmt? Denn von einem Frieden ist Syrien so weit entfernt wie Libyen von geordneten Strukturen.

Die vielbeschworene Bekämpfung der Flüchtlingsursachen ist in vielen Teilen der Welt auf absehbare Zeit völlig aussichtslos. Die Menschen werden sich weiter Richtung EU aufmachen. Und wenn die EU weiter als ein Klub nationalistischer Egoisten agiert, der Süditalien und Griechenland als vorgelagerte Aufnahmelager missbraucht, dann ist nicht nur die EU am Ende, sondern dann sind erhebliche innereuropäische Konflikte programmiert…

Es gibt nur eine Rettung für die EU: Wenn ihre Mitglieder erkennen, dass jeder für sich allein keine Chance hat… Eine EU der Einzelkämpfer hat keine Chance. Einzelkämpfer können Geschichte nur erleiden, nicht aber gestalten. Die Flüchtlingskrise lässt sich nur zusammen bewältigen, wenn alle EU-Länder bereit sind, Flüchtlinge aufzunehmen, und wenn Griechenland bereit ist, an dem Schutz seiner Außengrenze viel stärker als bisher auch Fachkräfte aus anderen Mitgliedsstaaten zu beteiligen…

Mit einem EU-Nothilfefonds für Griechenland ist es nicht getan; und mit milliardenschweren Bücklingen vor der Türkei und der Bitte der EU, die Flüchtlinge doch bitte fernzuhalten, auch nicht. Entweder die EU überwindet ihre nationale Beschränktheiten oder sie wird die weitere Geschichte nur noch erleiden, statt sie zu gestalten.

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