KARPFENTEICH

Geht Europa mehr nach Afrika?

Mali ist ein wichtiger Partner Frankreichs in Westafrika. Deswegen kam es 2013 zu der beispiellosen Intervention französischer Truppen, die die einstige Kolonie nicht an Al Kaida abtreten wollten. Es ist deswegen nicht zu weit hergeholt zu sagen, dass sich der Terror in Mali auch gegen Frankreich richtet. Je ungehemmter die Terroristen töten können, so glauben sie, desto größer die öffentliche Blamage für die Schutzmacht.

Der heutige Angriff auf ein Hotel in Bamako kann noch kaum abschließend bewertet werden. Aber wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass Mali alles andere als ein stabiler Staat ist, dann ist es die heutige Geiselnahme im Radisson Blu. Der Ruf des Bundeswehrverbandes nach Kampftruppen zum Absichern der europäischen Trainingsmission in Mali scheint vor diesem Hintergrund nicht ungerechtfertigt zu sein.

Doch Malis schwelende Terrorkrise wird sich nicht militärisch und nicht aus dem Ausland lösen lassen. Nötig sind verstärkte und ehrliche Anstrengungen der malischen Regierung, die weit über den Sicherheitsaspekt hinausgehen müssen. Politische Integration des Nordens, mehr Geld für Bildung, ein Plan für die Wirtschaft – das alles würde nicht schaden, um zumindest die Rekrutierungsbasis für Dschihadisten zu verkleinern.

Und es bedarf zusätzlich eines regionalen Problembewusstseins und einer Kooperation der westafrikanischen und nordafrikanischen Nachbarn. In der Ebola-Krise rauften sie sich zusammen und gingen – viel zu spät – die Seuche gemeinsam an. Warum sollte das nicht auch angesichts der Terrorgefahr möglich sein. Vor allem Marokko und Algerien als vergleichsweise stabile und potente Staaten könnten viel bewirken, wenn sie sich endlich auf eine gemeinsame Anti-Terror-Strategie verständigen könnten.

Tweet about this on TwitterShare on Facebook0Share on Google+0Share on LinkedIn0
Author :
Print