KARPFENTEICH

Ja, es läuft gerade nicht so geordnet, wie es laufen sollte – manches mag man auch chaotisch nennen. Und ja, die große Zahl von Flüchtlingen, die nach Deutschland strömen, stellt uns vor große Probleme – kurzfristig wie langfristig. Dass wir keine Unterkünfte haben und Betten, keine Dolmetscher, keine Sprachkurse und dass die Integration dieser Menschen kein Selbstläufer werden wird – das sind die Probleme, über die wir reden müssen.

Wer die Flüchtlinge jetzt aber zum Sicherheitsrisiko erklärt, der greift in die unterste Schublade. Natürlich: Niemand kann garantieren, dass sich unter den Schutzsuchenden keine islamistischen Extremisten befinden. Aber dass islamistische Terrororganisationen nun gerade die Flüchtlingsströme nutzen, um Terroristen nach Europa einzuschleusen, das ist wenig wahrscheinlich. Schon gar nicht kann man behaupten, dass mit dem Zustrom der Flüchtlinge die Sicherheitslage nun außer Kontrolle geraten sei.

Wer das behauptet, der tut ja gerade so, als habe man all diejenigen unter Kontrolle, die bei uns die Sicherheit seit langem gefährden. Wie sollte man auch?… Sie müssen sich… nicht als Flüchtlinge tarnen, sie haben europäische Pässe. Sie alle zu beobachten, ist völlig unmöglich. Wer würde denn allen Ernstes behaupten, man habe diese Leute vollständig unter Kontrolle? Dass das nicht der Fall ist, zeigen ja die islamistischen Attentate der vergangenen Monate in Europa: in Paris, in Brüssel, in Kopenhagen und zuletzt im Thalys von Amsterdam nach Paris.

Diese Typen bedrohen unsere Sicherheit, sie sind hier aufgewachsen, sie sind vernetzt, sie kennen sich aus, sie haben Kampferfahrung, sie können sich Waffen besorgen. Sie sind keine Flüchtlinge, sondern Produkte unserer Gesellschaft. Was hilft neben Überwachung und Strafverfolgung ist Prävention und Integration. Die salafistische Szene wächst seit Jahren, wir sollten uns fragen, warum und was man dagegen tun kann. Sie ist der Durchlauferhitzer für diejenigen, die schließlich zur Waffe greifen. Deshalb müssen wir auch verhindern, dass sich Salafisten der Flüchtlinge annehmen. Dass sie Zuwendung von denen erfahren, die unsere Werte missachten.

Das tun übrigens nicht nur die Islamisten: Wer vor Terroristen warnt, der sollte nicht über die Flüchtlinge sprechen, sondern über diejenigen, die Flüchtlingsheime in Brand setzen. Das sind die Extremisten, die mir zur Zeit am meisten Sorge machen.

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