KARPFENTEICH

Der amerikanische Geheimdienst NSA interessiert sich grundsätzlich für alles, was der Fall ist auch in Deutschland. Das wissen wir nun seit einiger Zeit – nichts Neues also. Die Reaktionen in Berlin werden immer abgebrühter – bis hin zum Zynismus. Etwa von der Art: “Bin ich etwa nicht wichtig genug, um bei der NSA gelistet zu sein?” Es überrascht hier nichts und niemanden mehr – es wird mit allem gerechnet. Man weiß übrigens gar nicht, was hier der größere Skandal ist: ob die Amerikaner auch ziemlich beste Freunde belauschen, oder ob unser famoser BND oder der Verfassungsschutz nicht den Schnarchpreis des Jahres bekommen sollten, weil sie es nicht mitbekommen beziehungsweise verhindert haben.

Das ist ja eigentlich auch unglaublich, dass es gelingen konnte, die Bonner und Berliner Regierungsviertel nach Belieben anzuzapfen wie ein Dritte-Welt-Land, dessen Technik da nicht mitkommt. Eigentlich wären jetzt ein paar rückwirkende Rücktritte fällig… Aber lassen wir das!

Was tun? Welche Folgen hat das bereits jetzt und wird es noch zeitigen? Nach dem anfänglichen Gefühl des Beleidigtseins kommt jetzt etwas dazu, was wirklich gefährlich ist: Ein innerer Zersetzungsprozess des vertraulichen Umgangs in der Politik und den Sicherheitsbehörden hat begonnen. Das früher selbstverständliche Gefühl einer gemeinsamen Sicherheit ist durchbrochen – wahrscheinlich für immer.

Die Welt ist aber viel zu gefährlich, und nach dem Ende der großen Blöcke auch viel zu unberechenbar geworden, als dass Deutschland auf eine solche gemeinsame Sicherheit ohne Vorbehalte verzichten könnte. Die “Vereinigten Daten von Amerika” können das selbstverständlich.

Wie jetzt weiter? Der US-Botschafter wurde letzte Woche schon einbestellt und die diplomatischen Beziehungen werden wir ja wohl nicht abbrechen wollen. Eine strafrechtliche Verfolgung? Wir machen uns lächerlich! Erstens werden die Verantwortlichen nicht ausgeliefert, und zweitens verstoßen Geheimdienste bei ihrer Arbeit aus Prinzip gegen Gesetze. Wie anders sollte zum Beispiel der Bundesnachrichtendienst an Informationen im Ausland kommen? Spionage soll ja auf der ganzen Welt verboten sein!

Also bleibt nur, den technischen und personellen Aufwand der nicht mehr ganz so neuen Lage anzupassen und aufzupassen – “360-Grad-Blick” heißt das neuerdings. Die Zeit der Naivität im Umgang mit besten Freunden ist vorbei. Deutschland hat politische und wirtschaftliche Geheimnisse, die es schützen muss, denn mit Geheimdiensten ist es wie mit der Artillerie: die kennt oft weder Freund noch Feind, sondern nur lohnende Ziele. Wir gehören dazu!

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