KARPFENTEICH

Na, jetzt wird es am Ende dieses ersten Tages doch noch politisch. Gut so. Selbst wenn man sich für diesen Staatsbesuch mal ein paar Scheuklappen aufsetzt und Dauerbrenner wie Griechenland ausblendet: Auch die deutsch-britischen Beziehungen vertragen öffentliche Worte zur aktuellen Lage.

Immerhin wird landauf, landab diskutiert, ob und wie Großbritannien künftig noch in der Europäischen Union zu halten ist. Nur die Queen absolviert ihr Besuchsprogramm in Berlin mit bekannter Routine, sicher in allen Belangen, doch leider eben auch ohne Impuls. Das ist keine Überraschung. Wenn es eine berechenbare Größe auf der Insel gibt, dann ist es die Königin, und von der weiß man, dass sie sich in der Öffentlichkeit niemals politisch äußert.

Die Queen hat sich heute aber nicht nur politisch nicht geäußert, sie hat bis jetzt gar nichts gesagt. Kein öffentliches Wort… Es war eine freundliche Atmosphäre, man muss ja nicht immer gleich Begeisterung und Euphorie bemühen…Doch Gelassenheit schließt eine gewisse Sorge um die Zukunft nicht aus. Die ist sicher angebracht und mir ist ein Bundespräsident, der heute Abend beim Staatsbankett für Großbritannien als Teil Europas öffentlich plädiert, der Unterstützung bei Reformen verspricht, allemal lieber, als eine Königin, deren Selbstverständnis eine Parteinahme offenbar unmöglich macht.

Was wollen die Briten? Darauf hat es heute keine Antworten gegeben. Man wüsste zu gerne, wie diese Königin mit ihrem sensationellen Erfahrungsschatz darüber denkt. Ist das wirklich zu viel verlangt?

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