KARPFENTEICH

Dieser Gipfel wird im Rückblick als der Beginn vom Abschied der fossilen Brennstoffe in der Weltwirtschaft bewertet werden müssen. Womit selbst chronische Optimisten kaum gerechnet haben: Die G7 Staats- und Regierungschefs haben “geliefert”, wie Greenpeace das Bekenntnis der sieben wichtigsten westlichen Industrienationen zur sogenannten “Dekarbonisierung” umgehend gelobt hat.

Wenige Monate vor der wichtigen UN-Klimakonferenz in Paris ist es vor allem US-Präsident Barack Obama, Frankreichs Staatspräsident François Hollande und Bundeskanzlerin Angela Merkel gelungen, die sehr skeptischen Partner Japan und Kanada zu überzeugen und die gesamte G7-Gruppe auf diese Ziele zu verpflichten.

Der Erfolg von Elmau hat viele Ursachen – eine ist jedoch die offenkundigste: Die sieben wichtigsten Industrienationen können ohne Russland weitaus ergebnisorientierter arbeiten, offener untereinander diskutieren und wirkungsvoller agieren. Von einer Verantwortungsgemeinschaft spricht Angela Merkel. Beim Thema Kampf gegen den Klimawandel sind die G7-Staaten diesem sehr ambitionierten Anspruch gerecht worden.

Putins de facto dauerhafter Ausschluss aus dem G7-Kreis, dessen eigener Expansionspolitik gegenüber der Ukraine geschuldet, hat zu einer erkennbaren Effizienzsteigerung geführt. Man ist wieder “unter sich”, und keiner der sieben Staats- und Regierungschefs machte einen Hehl daraus, dass es künftig auch bei der Siebenerrunde bleiben dürfte. Die ausdrückliche Unterstützung der Ukraine durch die sieben Staats- und Regierungschefs gilt dabei als erneutes Warnsignal an Moskau, das sogenannte Minsk-II-Abkommen einzuhalten.

Gegnern von TTIP – dem amerikanisch-europäischen Freihandelsabkommen – stehen schwere Zeiten bevor: Zügig werden die Verhandlungen zwischen Washington und Brüssel vorangetrieben, die Europäer sehen sich unter Zeit- und Entscheidungsdruck, denn mit den fernostasiatischen Ländern wird Obama in wenigen Wochen wohl schon das pazifische Freihandelsabkommen abschließen.

Beim Kampf gegen den extremistischen Terror, von Boko Haram in Nigeria bis zum sogenannten Islamischen Staat, setzen die G7 auf langfristige Konzepte. Dahinter verbirgt sich die ebenso ernüchternde wie zutreffende Erkenntnis, dass Terrororganisationen vor allem in zerfallenden Staaten leichtes Spiel haben. Libyen – das Haupttransitland der Bootsflüchtlinge auf dem Mittelmeer – sehen die G7 als stark gefährdet an, nach Syrien und Irak gleichermaßen ins Chaos abzugleiten.

Die Vereinbarungen von Elmau lassen die im Vorfeld massiv geäußerte Kritik an dem enormen Aufwand dieser Mammutveranstaltung, vom hohen Finanz- bis zum massiven Polizeiaufwand, in den Hintergrund rücken.

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