KARPFENTEICH

Es reicht. Seit Monaten führt die griechische Linksregierung Europa am Nasenring von einer Krisensitzung zur nächsten. Die eigene Ideologie ist wichtiger als das Wohl des Landes. Gut sechs Monate nach der Machtübernahme ist die Lernbereitschaft der Politikanfänger von Syriza gleich null, auch wenn diese Haltung Griechenland wirtschaftlich und politisch zunehmend schadet.

Weil niemand derzeit weiß, ob Griechenland am Ende nicht doch in die Staatspleite rutscht, ziehen sich die dringend benötigten Investoren zurück. Selbst die Tourismusindustrie, eigentlich der große Hoffnungsträger, gerät zunehmend unter Druck. Urlauber sind verunsichert, denn wer reist schon gern in ein Krisenland, das demnächst vor dem finanziellen Kollaps stehen könnte.

Die zwischen extrem links und extrem rechts aufgestellte griechische Regierung ficht das nicht an. In Brüssel wird weiter bis zur letzten Minute und bis zum letzten Cent gepokert. Trotz des Risikos, dass sich Tsipras am Ende gründlich verzockt. Letztlich aber setzt die Regierung auf die Angst der Europäer vor einer drohenden Pleite und einem Ausstieg Griechenlands aus dem Euro.

Was wiederum ein grandioses Scheitern der europäischen Rettungsphilosophie bedeuten würde. Und eine fatale Niederlage für all die überzeugten Europäer, angefangen von Bundeskanzlerin Angela Merkel über den französischen Präsidenten Francois Hollande bis hin zum Obereuropäer Jean Claude Juncker. Den Makel eines Totengräbers für Europa würden sie wohl nicht mehr los.

Trotzdem hat es Europa nicht verdient, von einer renitenten Regierung eines Mitgliedslandes erpresst und vorgeführt zu werden. Längst sind die internationalen Gläubiger Griechenland weit entgegen gekommen. Die in Aussicht gestellte Korrektur bei den anvisierten Haushaltsüberschüssen ist zwar überfällig, weil die Zahlen zuvor viel zu hoch angesetzt worden sind. Dennoch bekommt die Regierung damit ein Stück weit mehr Gestaltungsspielraum. Angesichts der fatalen Lage und der Abhängigkeit Griechenlands von den internationalen Geldgebern ist dies ein erhebliches Zugeständnis.

Mehr ist gegenwärtig nicht drin. Auch die anderen Krisenstaaten haben sich an die Vereinbarungen gehalten, vielerorts unter größten Entbehrungen und Zumutungen für die eigene Bevölkerung. Griechenland eine Vorzugsbehandlung einzuräumen, hieße, die Büchse der Pandora zu öffnen. Gleichzeitig gilt: Eine gemeinsame Währung erfordert Abstimmung, politische Verlässlichkeit und halbwegs ähnliche Wettbewerbsverhältnisse. Athen muss sich jetzt für einen Weg entscheiden – und die Europäer müssen auf ihrem letzten Angebot bestehen.

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