KARPFENTEICH

Die Richter der Großen Kammer am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte haben sich ihre Entscheidung wahrlich nicht leicht gemacht. Die Mehrheit, zwölf von 17 Richtern, billigte die passive Sterbehilfe und damit die Beendigung der künstlichen Ernährung. So wie zuvor das höchste Verwaltungsgericht Frankreichs geurteilt hatte. Die Straßburger Richter stellten drei wesentliche Fakten klar. Erstens: Es geht hier nicht um Euthanasie. Zweitens: Die gesetzlich erlaubte passive Sterbehilfe verstößt nicht gegen die Menschenrechtskonvention. Und drittens: Den Mitgliedsstaaten wird ein großer Ermessensspielraum eingeräumt, wie sie solche Fälle regeln.

Das Urteil beendet also die Diskussion um Sterbehilfe nicht. Im Gegenteil, es befeuert sie. Und das ist gut so! Es zeigt auch, dass es immer nur um höchst individuelle Entscheidungen gehen kann. Es sind persönliche Grenzfälle zwischen Leben und Tod, die ganz offenbar nicht in Gesetzesschablonen passen. Das Sterben ist nicht normierbar und das sollte auch im Hinblick auf die deutsche Debatte um Sterbehilfe spätestens mit dem Tag dieses Urteils klar geworden sein. Alle Versuche sind zum Scheitern verurteilt…

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