KARPFENTEICH

Und ewig grüßt Varoufakis. Viele seiner Euro-Kollegen bekommen mittlerweile eine Krise, wenn sie den ewig dozierenden Finanzminister der Hellenischen Republik sehen und beim gefühlt einhundertsten Griechenland-Gipfel feststellen, dass wieder nichts auf dem Tisch liegt, worüber es sich ernsthaft zu diskutieren lohnt.

Die Tsipras-Koalition gibt sich als Wohlfühlregierung für alle… Athen agiert so, als verfüge es über die Steuereinnahmen der Bundesrepublik und über die Schwarze Null aus dem Haushalt von Wolfgang Schäuble. Dessen Appelle und die seiner Euro-Kollegen, doch bitteschön auch etwas Geld einzusparen… und etwas mehr Geld einzunehmen…, werden endlos diskutiert und zerredet.

Mittlerweile ist auch den Euro-Finanzministern klar, dass Tsipras, Varoufakis und Co. gar nicht so können, wie es der Internationale Währungsfonds, die Europäische Zentralbank und die EU-Kommission verlangen, weil Tsipras sein politisches Programm verraten, die Partei spalten und die Koalition ihre Regierungsfähigkeit verlieren würde. Griechenlands Premier kann nur dann einen Schritt auf die internationalen Kreditgeber und die Finanzminister der EU zu machen, wenn er die Zustimmung der griechischen Bevölkerung hat, und zwar durch ein Referendum.

Allerdings müsste dieses Referendum in Rekordzeit durchgeführt werden. Und ob Griechenland diese Zeit überhaupt noch hat, das wissen weder die Experten der EU noch die Beamten im Athener Finanzministerium, denn niemand kann z.B. die exakte Höhe der Steuereinnahmen in diesem und im nächsten Monat prophezeien.

Vorhersagen lässt sich nur, dass Athen niemals die Milliarden aufbringen kann, die es im Sommer der Europäischen Zentralbank und dem Internationalen Währungsfonds schuldet. Die EU muss sich also darauf einstellen, in den nächsten Wochen die Milliarden aus dem laufenden Hilfsprogramm auszuzahlen und zusätzlich ein neues, drittes Hilfspaket zu schnüren – oder Milliarden für die Stützung eines Griechenland aufzuwenden, das gezwungenermaßen zur Drachme zurückkehrt.

Die Hoffnung, es gebe einen dritten Weg, indem man Griechenland den Geldhahn zudreht und auf die Selbstheilungskräfte Athens baut, ist eine Illusion. Wie immer Griechenlands Finanzminister der Zukunft heißt – er wird noch sehr häufig seine EU-Kollegen in Brüssel begrüßen und um Milliarden bitten.

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