KARPFENTEICH

Die Eurogruppe, eigentlich in harten Verhandlungen gestählt, zeigt Nerven. Seit Monaten dümpeln die Verhandlungen über die griechische Reformliste vor sich hin. Das ist eigentlich nichts Neues, denn auch unter der Vorgängerregierung Samaras wurden Fortschritte nur äußerst mühsam erzielt, von substantiellen Fortschritten ganz zu schweigen. Doch Samaras war im Umgang mit den internationalen Geldgebern deutlich geschickter, und am Ende sind die Hilfstranchen dann doch nach Griechenland überwiesen worden.

Ganz anders Giannis Varoufakis. Der griechische Finanzminister hat die Amtskollegen durch seine ständigen Winkelzüge und rhetorischen Kehrtwendungen wiederholt vor den Kopf gestoßen. Zugeständnisse wurden kurzerhand relativiert oder gleich zurückgezogen – gerne auch verbunden mit einem schulmeisterlichen Ton.

Dass hier dem einen oder anderen Finanzminister heute der Kragen geplatzt, kann kaum verwundern. Und wäre auch kaum erwähnenswert, denn in wichtigen Sitzungen darf es auch einmal laut werden. Und doch wiegt dieser Streit schwer, denn längst darf das Verhältnis zwischen Varoufakis und seinen Amtskollegen als zerrüttet gelten.

Fast drei Monate nach Amtsbeginn der neuen griechischen Linksregierung fällt also die Zwischenbilanz verheerend aus. Inhaltlich treten die Verhandlungen mit den Geldgebern weiter auf der Stelle. Die erhoffte Professionalisierung in der Regierungsführung lässt größtenteils weiter auf sich warten. Was soweit geht, dass der zuständige Finanzminister von den Amtskollegen faktisch nicht mehr ernst genommen wird.

Unter diesen Vorzeichen, so könnte man zumindest meinen, ist die Staatspleite Griechenlands eigentlich kaum noch abzuwenden. Doch trotz aller Verwerfungen, trotz der aufgestauten Wut über den griechischen Finanzminister, kam es auch in Riga letztlich nicht zum großen Knall. Denn noch immer gilt die Devise: Griechenland soll – um fast jeden Preis – im Euro gehalten werden.

Letztlich hat es die Regierung damit weiter in der Hand. Sie muss Zugeständnisse machen, sie muss auf die Geldgeber zugehen, ohne dabei alle eigenen Überzeugungen über den Haufen zu werfen. Denn auch die Euro-Finanzminister haben am Ende kein Interesse daran, das Scheitern ihrer Rettungspolitik eingestehen zu müssen. So spricht vieles dafür, dass es doch noch einen faulen Kompromiss zwischen der griechischen Regierung und der Eurozone geben dürfte – aller Drohrhetorik zum Trotz.

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