KARPFENTEICH

Wenn in den vergangenen Jahren jemals ein Ruck durch Deutschland gegangen ist, dann am 11. März 2011. Der Super-GAU im Atomkomplex von Fukushima in Japan zerstörte mit einem Schlag den Glauben an die Sicherheit der Atomenergie in der Industriegesellschaft – auch wenn das Ereignis Tausende von Kilometern entfernt stattfand. Heiß umstritten war die Kernenergie schon vorher. Doch seitdem Bundeskanzlerin Angela Merkel den Ausstieg eingeläutet hat, traut sich kaum noch jemand, in der Öffentlichkeit als Fürsprecher dieser Energiequelle aufzutreten.

Atomkraft – nein danke! Dieser Grundkonsens hält in Deutschland auch vier Jahre danach, und das liegt längst nicht nur an Fukushima. Der Super-GAU in Japan hat nur eine Entwicklung beschleunigt, die lange vorher begonnen hat. Treiber sind nicht nur die ungelöste Sicherheitsfrage und die bisher weltweit vergebliche Suche nach einem Endlager für hoch radioaktiven Abfall. Nein, die Atomkraft verliert auch deshalb weltweit an Bedeutung, weil es mit Strom aus Wind und Sonne bessere und auf Dauer sogar billigere Alternativen gibt.

Wer dies wie die großen Energieversorger nicht oder viel zu spät erkannt hat, wird gnadenlos aus dem Markt gedrängt. Konventionelle Kraftwerke lassen sich angesichts des großen Angebots an Wind- und Solarstrom kaum noch rentabel betreiben, dies musste auch der RWE-Konzern heute bei der Bilanzvorlage eingestehen. Und wenn das letzte Atomkraftwerk vom Netz gegangen ist, bleiben über viele Jahrzehnte Altlasten – mit Milliardenkosten, um deren Begleichung sich Energieversorger, Bund und Länder vor Gerichten streiten. All dies sind Gründe, der Kernenergie keine Träne nachzuweinen.

Sicher: Noch brauchen die erneuerbaren Energien Subventionen. Doch die braucht auch die Atomkraft – selbst heute noch. In Großbritannien soll ein Kernkraftwerk gebaut werden, das nur mit garantierter Einspeisevergütung auf Höhe der deutschen Solarstromvergütung rentabel wäre. Studien bescheinigen Windkraft und Sonnenenergie das Potenzial, auf Dauer sogar billigeren Strom zu liefern als neue konventionelle Kraftwerke.

Trotzdem hat die Bundesregierung den Ausbau der Solarenergie in letzter Zeit ausgebremst und leistet sich beim Bau neuer Stromleitungen interne Konflikte, die die Energieversorgung der Zukunft infrage stellen. Hier ist Kurs halten dringend erforderlich. Der Atomausstieg kann nur dann zum Erfolgsmodell werden, wenn die Erneuerbaren in die Lage versetzt werden, die Stromversorgung mehr und mehr zu übernehmen.

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