KARPFENTEICH

Reiches Land wie Deutschland

Gratislebensmittel für Arme, Suppenküchen und Wintermäntel aus der Kleiderkammer – dass es in Deutschland viele mit wenig Geld gibt, daran haben wir uns schon fast gewöhnt. Trotzdem, der Bericht von heute setzt noch eins drauf: Noch nie gab es so viele Arme in Deutschland. Eine Schande ist das, Deutschland ist eines der reichsten Länder der Welt. Wirtschaftlich läuft es super, und die Arbeitslosenquote ist niedrig wie seit Jahren nicht mehr.

Und trotzdem gibt es sie, Menschen, die ein höheres Armutsrisiko haben, also Alleinerziehende, Arbeitslose, Rentner und Geringqualifizierte. Und nach wie vor müssen zu viele Kinder auf Dauer von Hartz IV leben. Einmal arm, immer arm – in kaum einem anderen Land gilt das so sehr wie bei uns.

Klar, Armut ist relativ…, verhungern muss niemand. Aber die entscheidende Frage ist, ob uns das reicht. Der neue Armutsbericht des Paritätischen Gesamtverbandes fällt pessimistischer aus als der offizielle der Bundesregierung, vielleicht zeichnet er auch ein zu düsteres Bild. Aber fest steht, er reicht aus, um ein Gefühl der Ungerechtigkeit zu vermitteln, und das kann eine Gesellschaft spalten. Ich will das nicht.

Im Grundgesetz steht: Eigentum verpflichtet. Ein reiches Land wie Deutschland sollte sich selber verpflichten, den Reichtum fair aufzuteilen. Genau daran sollte die Politik arbeiten. Eine Erhöhung der Hartz-IV-Regelsätze, mehr Geld für Alleinerziehende, mehr Geld für den Kampf gegen Langzeitarbeitslosigkeit und ein Update im Kampf gegen Altersarmut, das alles kostet Millionen. Aber ich finde, der Paritätische hat recht. Um das alles bezahlen zu können, gerade angesichts der Sparbremse, die Bund und Länder bald ziehen müssen, sollten Reiche vielleicht wirklich mehr Steuern bezahlen. 2013 war eine Reichensteuer ja noch Thema für viele Parteien, aber überraschenderweise nur bis zur Bundestagswahl.

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