KARPFENTEICH

Hunde, die bellen, beißen nicht. Wer frei nach diesem Motto geglaubt haben sollte, dass der bellende Wahlkämpfer Tsipras als Regierungschef schon nicht beißen werde, dem blieben nur Stunden, bis er sich eines Besseren belehrt sehen musste. Der neue linke Regierungschef Griechenlands ist unverkennbar entschlossen, dicht an seiner Wahlkampfrhetorik entlang zu handeln. Das ist ja per se noch keine verwerfliche Sache. Es dürfte aber für das ohnehin angespannte Verhältnis zwischen Griechenland und seinen EU-Gläubigern alles Mögliche bedeuten, nur nicht, dass es auch nur die Spur leichter würde.

Nach dieser Woche kann man nicht mehr darauf wetten, dass Griechenland nicht doch, und sei es aus Versehen, aus dem Euro rutscht, selbst wenn letztlich selbst in den Reihen der nun politisch Verantwortlichen in Griechenland kaum einer wirklich die Drachme wiederbeleben möchte. Es könnte aber trotzdem dazu kommen. Tsipras´ Worten und Taten wohnt zwar durchaus wohltuend die Kraft des Neuanfangs inne und die Anmutung eines jung-dynamischen Helden im Kampf für politische Selbstbestimmung und soziale Gerechtigkeit. Woran es ihm beklagenswert gebricht, ist allerdings die gesunde Beimischung selbst nur der geringsten Dosis Zurückhaltung.

Ihre ersten Tage im Amt waren geprägt vom Anliegen der neuen griechischen Regierung, fast hyperaktiv sozusagen von der Stunde Null an Duftnoten zu setzen, auch und gerade gegenüber der EU. Dafür stand schon das unnötige, auf offener Bühne angestrengte Fingerhakeln um eine außenpolitische Erklärung der EU-Regierungen zu den Sanktionen gegen Russland. Und Athen setzte mit Aplomb noch eins drauf, indem es heute verkündete, die Zusammenarbeit mit der Troika bei der Umsetzung von Sparanstrengungen und Reformen einzustellen.

In Griechenland wird das wahrscheinlich von vielen als weiteres Zeichen der neuen Distanz Athens zum Diktat Europas begrüßt. Schließlich wurde Syriza nicht zuletzt deswegen gewählt. Wenn das Land daraufhin in Kürze in die Zahlungsunfähigkeit schlittern sollte, könnte die Freude an dem Coup schnell in Frust umschlagen.

Wirklich überraschend ist das alles vielleicht nicht. Dass es aber keine Woche nach dem Amtsantritt so demonstrativ und mit einem derartigen Paukenschlag daherkommt, dass dem Bellen so schnell das Beißen folgt, das überrascht dann schon. Es kann nichts Gutes für Griechenland verheißen, wenn sich Tsipras gleich zu Anfang seiner Regierungszeit derart auf Konflikt mit der EU gebürstet gebärdet wie im Wahlkampf. Es wäre ihm bzw. Griechenland zu wünschen gewesen, dass er sich seine Spucke gespart hätte und die Sache ein wenig abgehangener, überlegter und geschickter angegangen wäre.

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