KARPFENTEICH

Der Ölpreisverfall

Der historische Rutsch des Ölpreises unter sechzig Dollar ist beides gleichzeitig – ein Weihnachtsgeschenk und ein Warnsignal… Der tiefe Fall des schwarzen Goldes birgt aber auch erhebliche Gefahren, zunächst wirtschaftspolitische. Denn klar erkennbar geraten diejenigen Staaten, deren Volkswirtschaft vor allem vom Ölexport abhängt, in erhebliche Turbulenzen…

Wirklich gefährlich wird der niedrige Ölpreis durch die massiven Auswirkungen auf Russland. Präsident Putin hat in all den Jahren seiner Macht nicht dafür gesorgt, dass die russische Ökonomie effektiv umgestellt wird: weg vom bloßen Öl- und Gasexport, hin zu einer breiter aufgestellten Wirtschaftstätigkeit. Russland, ohnehin gebeutelt von den Sanktionen des Westens infolge der Ukraine-Krise, gerät als Wirtschaftsmacht ins Schlingern. 2015 könnte der Crash kommen.

Besonders aber muss der Ölpreisverfall ein Alarmsignal für die Europäische Zentralbank sein. Denn die billige Energie schickt die Preise noch stärker auf Talfahrt, als sie es ohnehin schon sind – in Deutschland auf den tiefsten Stand seit fast fünf Jahren. Irgendwann könnten sie nicht mehr beherrschbar sein. Das Gespenst der Deflation, der gefährlichen Spirale von sinkenden Preisen, zurückhaltender Nachfrage und einbrechender Produktion, steht schon vor der Tür. Der Eurozone könnte eine lange Rezession, eine dahinsiechende Ökonomie nach dem Muster Japans drohen. Vor allem für die Währungshüter im neuen Frankfurter EZB-Turm ist der Absturz des Ölpreises alles andere als ein Weihnachtsgeschenk.

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