KARPFENTEICH

Maut auf deutschen Straßen

Bisher konnte man annehmen, die Maut auf deutschen Straßen sei politisch zwar schwierig, technisch dafür aber ein Kinderspiel. Bisher nämlich haben wir uns durch Beispiele aus Österreich oder der Schweiz leiten lassen, wo Vignetten oder Mautkarten gekauft und an Windschutzscheiben gepappt werden. Fertig. Das jetzt vorgestellte Mautkonzept aber wird technisch ausgefeilt Nummernschilder und damit Autos allerorten überwachen. Wir dürfen wahre Fluten von Bewegungsdaten erwarten, die Minister Dobrindt zwar mit härtestmöglichen Regeln zu schützen verspricht – die aber bei Ermittlern, Hackern und findigen Geschäftemachern Begehrlichkeiten wecken werden. Denn was nach den aktuellen Plänen einmal in den Serverschränken lagert, ist ein wahrer Datenschatz. Er kann nicht nur beantworten, wer seine Maut nicht bezahlt hat. Er weiß auch, wann wer wohin gefahren ist. Die Computer können errechnen, wie schnell wir unterwegs waren, ob Sportwagen-Besitzer den schwereren Bleifuß haben oder wer häufig nachts unterwegs ist, wenn das Risiko schwerer Unfälle steigt. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen, sie lässt aber schon erahnen, dass Big Data auch in diesem Fall das Potenzial hat, um Privatsphäre und individuelle Freiheit zu gefährden. Wer bei Facebook und Google noch mit freiwilliger Nutzung argumentiert und sich für unverdächtig hält, wenn es um Geheimdienst-Ausspähungen geht, der sollte vielleicht kurz innehalten. Kaum eine Autofahrt wird möglich sein, die nicht aufgezeichnet wird. Und deshalb könnten wir einen hohen Preis zahlen für den durchaus richtigen Ansatz, der auch ausländische Fahrzeughalter an den Instandhaltungskosten deutscher Straßen beteiligen will.

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