KARPFENTEICH

Mare Nostrum

Die Geschichte von Mare Nostrum ist eine Schande für die EU. Die Gemeinschaft, die völlig zu Recht mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, schafft es nicht, zehn Millionen Euro aufzubringen. So viel kostet “Mare Nostrum” im Monat. Damit hat Italiens Marine in den letzten zwölf Monaten etwa 100.000 Menschen auf dem Mittelmeer gerettet…

Nun sagt Rom: Das Dauerproblem bleibt der italienische Dauer-Alleingang. Die EU-Grenzschutzbehörde Frontex geht ab morgen an den Start – mit “Triton”, wie die abgespeckte Version von “Mare Nostrum” jetzt heißt, ausgestattet mit gerade mal einem Drittel der Mittel. Mehr ist offenbar nicht drin.

Noch mal zum Mitschreiben: Die EU bringt gerade den dritten Teil dessen auf, was Italien alleine nun ein gutes Jahr lang aufbrachte… Wollen wir diese Menschen nicht retten? Wozu die Regeln der christlichen Seefahrt jeden Handelsfrachter verpflichten, das ist diesem Wirtschaftsraum keine zehn Millionen Euro im Monat wert?

Das christliche Abendland, das zur Rettung systemrelevanter Banken, die sich beim Zocken verhoben, Geld zuhauf in die Hand nimmt, spart jetzt auf Kosten der Verzweifeltsten aller Verzweifelten. Vom Menschlichen abgesehen, dessen sich jeder billig und gerecht Denkende schämt – die EU wird, früher oder später, weit mehr Geld für eine geregelte und kontingentierte Zuwanderung bezahlen müssen. Anders als die USA trennen Europa keine Ozeane vom Elend. Wir hier veraltern. Und wenn wir von unserem relativen Reichtum den jungen Massen, die nichts haben, nicht mehr abgeben, werden die kommen, um sich zu holen, was sie fürs nackte Überleben brauchen.

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