KARPFENTEICH

Wettbewerb ist ein hohes Gut, das es zu schützen gilt. Die EU-Kommission und das Bundeskartellamt haben so manche Verzerrung gegeißelt. Ob sich aber ein Verfahren ausgerechnet gegen die deutschen Jugendherbergen lohnt, darf bezweifelt werden. Drei Millionen Euro verteilt auf 513 Standorte machen im Schnitt gerade einmal einen Zuschuss von jeweils knapp 5900 Euro aus. Man fragt sich, ob die Brüsseler Kommissare keine größeren Sorgen haben. Nun ja, die EU tut ihre Pflicht. Die Klage des Berliner Hostel-Betreibers kann sie nicht ignorieren. Dennoch wirkt das Verfahren so, als wolle die Behörde mit Kanonen auf Spatzen schießen. Jugendherbergen finanzieren sich schließlich nicht nur über staatliche Zuschüsse. Wer hier übernachten will, muss einen Mitgliedsbeitrag zahlen. Und dort arbeiten neben Festangestellten Ehrenamtler, die keinen Cent bekommen. Auch wenn manche Herbergen mächtig aufgerüstet haben, sind sie kaum mit privaten Hostels zu vergleichen. Der Ertrag des Vereins muss wieder in den Bestand reinvestiert werden. Die EU hat abzuwägen, ob sie ein Stück deutsches Kulturgut aufs Spiel setzen will.

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