KARPFENTEICH

Das war sich das EU-Parlament schuldig. Es musste mindestens einen der designierten EU-Kommissare bei den Befragungen in den Ausschüssen durchrasseln lassen. Die gesamte Riege ohne Beanstandungen durchzuwinken, hätte dem eigenen Selbstverständnis nicht entsprochen, ein echter Machtfaktor im Ringen um die Zusammensetzung der künftigen Kommission zu sein. War nur die Frage, wen es treffen würde… Es traf die slowenische Kandidatin für einen der gewichtigen Vize-Posten, Alenka Bratusek…

Dass sie heute von sich aus das Handtuch geworfen hat, erspart allen Beteiligten eine Hängepartie… Der Rückzug Bratuseks ist insofern in jeder Hinsicht eine gute Nachricht. Das ändert nichts daran, dass auch andere Kandidaten ‘nur’ nachsitzen mussten und nicht durchfielen, weil es politische Kuhhandel zwischen den beiden größten Fraktionen, der informellen Großen Koalition, gab – frei nach dem schönen Motto: Lässt Du meinen Kandidaten durchfallen, lass ich Deinen Kandidaten durchfallen.

Junckers vielleicht sogar clevere Ressortzuteilung, die manchen Bock zum Gärtner macht, in der Hoffnung, dass im Alltag der Kommissionsarbeit der Bock zum Gärtner wird – viele Abgeordnete hat das nicht überzeugt… Bratusek ist also in gewisser Weise auch eine Art Bauernopfer, weil das EU-Parlament sich zu mehr nicht durchringen konnte. Oder wollte. Jenseits politischer Befindlichkeiten sollte wohl Juncker, den nicht zuletzt die Parlamentarier dort hingebracht haben, wo er jetzt ist, der Start nicht verdorben werden. Auch das war sich das Parlament schuldig.

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