KARPFENTEICH

Deutschland einig Vorurteilsland. Keine andere Minderheit wird hier so abgelehnt wie Sinti und Roma… Auch wenn die Studie (die die Antidiskriminierungsstelle des Bundes heute in Berlin vorgestellt hat) in vieler Hinsicht uneindeutig bleibt, eine Diagnose drängt sich auf: Im Deutschland des 21. Jahrhunderts ist das alte Zerrbild vom Zigeuner lebendig und fest verankert.

Daran haben auch Politiker ihren Anteil. Mit den unsäglichen Debatten über Sozialmissbrauch aus Osteuropa hat unter anderem die CSU Stimmung gemacht: Wer betrügt, der fliegt. Der Slogan richtete sich direkt gegen Sinti und Roma, die aus Bulgarien oder Rumänien kommen. Schaden, den diese Hetze im gesellschaftlichen Klima anrichtete, hat die Seehofer-Partei gern in Kauf genommen. Es ging ja um Wählerstimmen. Inzwischen ist immer wieder belegt worden, dass die Zuwanderung aus Osteuropa Deutschland bei weitem mehr Vorteile bringt als Nachteile.

Fakten gegen Vorurteile – wie in der Debatte über den Sozialmissbrauch ist das am Ende der einzige Weg. Gegen Zerrbilder, auch das vom Zigeuner, lässt sich nur die Wirklichkeit in Stellung bringen. Zur Wirklichkeit gehört, dass etwa 70 000 Roma und Sinti mit deutschem Pass hier leben, bestens integriert, mit Jobs und Kindern, die zur Schule gehen. Weitere etwa 50 000 sind aus Osteuropa gekommen, zum allergrößten Teil leben auch sie hier völlig unauffällig. Dass es in Einzelfällen Probleme gibt, sollte niemand leugnen, denn auch, wer sich an dieser Stelle der politischen Korrektheit zuliebe die Realität zurechtbiegt, fördert nur die Legendenbildung, dass man darüber in Deutschland nicht offen reden dürfe.

Das Gegenteil ist richtig: Mehr Bildung, mehr Aufklärung sind die Mittel der Wahl… Mehr Aufklärung, mehr regelmäßige Informationen über die Lage von Minderheiten in Deutschland – der Antisemitismus-Bericht kann dafür ein Vorbild sein…

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