KARPFENTEICH

Europas EinkaufsTempel

Eines dürften die Karstadt-Mitarbeiter, die Betriebsräte und Gewerkschaften gelernt haben: Neue Investoren sollte man nicht vorschnell als Retter bejubeln. So wie vor vier Jahren, als dem Milliardär Berggruen die Herzen zuflogen, er viel versprach, ihm alle gerne glaubten, bevor er dann viel zu wenig gehalten hat. Was die Zukunft von Karstadt angeht, sollte sich deshalb auch diesmal niemand etwas vormachen: Diese Übernahme ist nicht die Rettung der Kaufhauskette, so sehr man es den 17.000 Karstädtern auch wünschen würde. Nein, diese Übernahme ist die Rettung von Benko und Berggruen.

Denn das scheint die Architektur des neuen Karstadt-Deals zu sein: Alteigentümer Berggruen verschenkt schnell und ohne Kosten ein Investment, das immer mehr zum Makel wurde für ihn, der sich gerne als global denkender Feingeist gibt…. Und der Neue, Immobilientycoon Benko? Auch er ist kein sozialer Samariter, sondern kalkuliert nüchtern: Diese Übernahme sichert in erster Linie seine eigenen Investitionen ab. Benko gehören viele Karstadt-Immobilien…. Außerdem hat Benko im Herbst für die Luxusläden und die Sporthäuser von Karstadt 300 Millionen Euro gezahlt, wovon 200 in die Kaufhäuser flossen…. Jetzt… bleibt alles in seinen Taschen.

Immerhin: Benko dürfte ein viel vitaleres Interesse an einer Sanierung haben als Berggruen, weil er eigenes Geld investiert hat – und das ist heute die gute Nachricht. Die schlechte aber lautet: Den Mitarbeitern drohen trotzdem brutale Einschnitte. Eine Schließung von um die 20 Verlust-Filialen dürfte wohl realistisch sein, wenn Karstadt irgendwann mal wieder schwarze Zahlen schreiben will. Und selbst dann gibt es keine Garantie, dass Karstadt in heutiger Form überlebt….

Es spricht viel dafür, dass sich bei Karstadt noch viel ändern wird. Nur eins ist klar: Um eine Rettung zu bejubeln, dafür gibt es noch keinen Anlass. Diese Übernahme, sie sieht nicht nach Liebesheirat aus, sondern nach Vernunftehe. Aber auch die können ja manchmal glücklich verlaufen.

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