KARPFENTEICH

Symbole der Europäer

… Dass der, der im Glashaus sitzt, nicht mit Steinen werfen sollte, ist eine Binsenweisheit. Der britische Premier Cameron erfuhr heute, dass beim Thema EU-Sanktionen gegen Russland schon Steinchen ausreichen könne, um das eigene Heim zu beschädigen… Es zählt das Symbol, und hier hat sich Cameron zu weit aus dem Fenster gelehnt oder, um im Bild zu bleiben, er hat zu einem reichlich großen Stein gegriffen, um ihn in Richtung Frankreich zu schleudern. Denn Paris war gemeint, als Cameron im Unterhaus von allen Europäern einen Rüstungsexportstopp gegenüber Russland forderte.

Schon länger ist London ein Dorn im Auge, dass Präsident Hollande an einem französischen Milliardengeschäft mit Hubschrauberträgern festhält. Dieses Geschäft übersteigt die gesamten britischen Rüstungsexporte nach Moskau fast um das Zehnfache. Es ist zudem rüstungsstrategisch bedeutsam und spielt deshalb in einer viel höheren Liga als britische Gewehre oder Schutzwesten. Kritik an einem Deal dieser Art inmitten der Ukraine-Krise erscheint angemessen. Schon länger profiliert sich der britische Premierminister innenpolitisch als Kämpfer für einen harten Sanktionskurs gegen Moskau. Doch seine angestrebte moralische Vorreiterrolle hat er verspielt…

Wenn französische Politiker von eigenen Rüstungsgeschäften ablenken wollen, verweisen sie immer auf den britischen Finanzsektor, auf dem russische Oligarchen nach wie vor Milliardenbeträge umsetzen. Das ist seit Monaten die argumentative Schwäche in der britischen Sanktionsrhetorik. Doch wenigstens den Vorwurf der Heuchelei beim Thema hätte sich Cameron durch eine bescheidenere Wortwahl ersparen können. Stattdessen hat sein Steinwurf in Richtung Frankreich ihm in Großbritannien einen Scherbenhaufen beschert.

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