KARPFENTEICH

War die Analyse über Jahrzehnte noch einfach: hier Israel, umgeben von arabischen Gegnern, daraus resultierend Kriege und ein Besatzungsregime, die vor allem den Palästinensern immer neue Verluste und Leid zufügen, so ist die Lage heute um vieles unübersichtlicher, explosiver und aussichtsloser – nicht allein für die Region, sondern für die Welt.

Der Kernkonflikt in Nahost, zwei Völker, die ein und dasselbe Land beanspruchen, ist ungelöst, und folglich bekämpfen sich die feindlichen Nachbarn immer wieder auf alte, aber immer perfider ausfallende Art, ohne dass dies irgendeinen Lösungsansatz hervorgebracht hätte.

Zugleich haben sich neue Krisen in der Region entwickelt – solche, die an Grenzen nicht haltmachen. Lange tobten Stellvertreterkriege von Mächten, die in Nahost Strategien auf Kosten anderer durchzusetzen suchten: USA und Russland/Sowjetunion, Iran und die Golfstaaten. Die Schauplätze hießen Libanon, Irak oder Syrien. Inzwischen haben es die geschundenen Staaten und vor allem ihre Bevölkerung mit Organisationen zu tun, die vorgeben, in ihrem Interesse zu handeln, tatsächlich aber über Leichen gehen, wie es bisherige Terroristen nicht wagten.

Der sogenannte Islamische Staat und andere vom selben Schlag machen sich ethnisch-religiösen Hass zunutze, von Kolonialmächten einst geschürt, später von korrupten, Clan-fixierten, unfähigen Politikern arabischer Staaten befördert, um ihre Menschen und Glauben verachtenden Ziele brutal zu verfolgen. Auf dem Boden der bestehenden Konflikte in Nahost mit Hunderttausenden Toten, dem Elend weiter Bevölkerungskreise und der Aussichtslosigkeit für Generationen gedeiht ein Flächenbrand, der militärisch seit Jahrzehnten nicht zu löschen war. Dem politisch-diplomatischen Ansatz droht nun dasselbe Schicksal.

Wie sollte man denn das Kernproblem Israel-Palästina nach unzähligen Anläufen gerade im aktuellen Klima erfolgreich lösen – wo der Irak in Terror und Bürgerkrieg auseinanderzubrechen droht, Syrien in einem an den Dreißigjährigen Krieg erinnernden Sumpf versinkt, Libanon, Jordanien und andere Nahost-Staaten unter dem Ansturm von Millionen Flüchtlingen um ihre Fort-Existenz fürchten?

Der Nahe Osten brennt. Die Feuerwehr ist hilflos. Millionen drohen zu sterben. Und niemand kennt ein Rezept.

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