KARPFENTEICH

Angela Merkel mag diese Momente. Sie mag Fußball, sie mag es, wenn die Nationalmannschaft gewinnt, und sie weiß, auch sie wird davon profitieren. Der erste Effekt ist kurzfristig. Deutschland ist Weltmeister, die Menschen freuen sich, die Wähler sind glücklich. Wer über Mario Götzes grandioses Tor redet, der regt sich nicht über Hartz IV auf oder über marode Straßen oder über die NSA. Ist doch eigentlich alles prima, dann kann die Regierung auch nicht so schlecht sein.

Der zweite Effekt ist langfristiger, und Angela Merkel nutzt ihn sehr virtuos. Merkel ist Regierungschefin, wir sehen sie im Kanzleramt, wir sehen sie auf dem roten Teppich bei irgendwelchen Gipfeltreffen, und wir wissen, hier ist Macht, hier wird regiert. Das kann leicht abgehoben wirken, deshalb baut Angela Merkel immer wieder Kontrapunkte ein, Situationen, in denen sie ganz normal wirkt, so wie eine von uns.

Abends auf dem Weg vom Kanzleramt nach Hause geht sie oft noch einkaufen,… sie backt ihrem Mann gerne Kuchen,… und beim Fußball freut sie sich, wenn Deutschland gewinnt – so wie wir. Das macht Merkel normal, das erdet sie für viele Menschen, das schafft Vertrauen. Gerhard Schröder hat das ähnlich gemacht…

Und die Bilder, die jubelnde Angela Merkel im Stadion, das Selfie in der Kabine, das macht sie dazu noch zu einem Teil dieses Sieges. Danach mit der Limousine zum Regierungsflieger und zurück nach Berlin. Heute Nachmittag spricht Merkel schon wieder beim Petersberger Klimadialog. Dann sehen wir wieder die andere Angela Merkel.

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