KARPFENTEICH

Die Flucht ….

Ja, erschreckend sind die Zahlen, die das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR heute vorgestellt hat. Erschreckend – aber können sie uns wirklich überraschen? Mindestens ein Flüchtlingsdrama erleben wir in Europa permanent: Schon um 2008 waren es jedes Jahr rund zweitausend Menschen, die im Mittelmeer ertrunken sind, weil sie versucht haben, von Afrika nach Europa überzusetzen. Aus den Nachrichten wissen wir, dass es jedes Jahr mehr werden, die es versuchen…

Längst nicht alle, die ihre Flucht bis in das Mittelmeer und vielleicht bis nach Europa geführt hat, sind Afrikaner. Doch gerade in Afrika haben Flucht und Vertreibung laut UNHCR im vergangenen Jahr erheblich zugenommen… Es sind Kriege und Krisen, die Flüchtlinge im Übermaß produzieren. Kriege und Krisen, an denen europäische Firmen Geld verdienen. Nach rückläufigen Aufträgen aus NATO-Staaten orientieren sich die europäischen Rüstungsproduzenten länger schon an Drittstaaten als Absatzmärkten. Von dort gelangen Rüstungsgüter nicht selten in fragwürdige Hände – auch in die Hände von Regimen und Rebellen in Afrika.

Wo kein Krieg herrscht, sind es aber nicht die Ärmsten der Armen, die sich als Flüchtlinge auf den Weg machen – die können sich die Schlepperkosten und beschwerlichen Reisen schlicht nicht leisten. In der Regel ist es die untere Mittelschicht, die aufbricht. Meist weil sie daheim keine Perspektive mehr für sich sieht oder Repressionen fürchtet.

Europa kann nicht alle Despoten und korrupte Eliten, die in einigen Ländern Afrikas fest im Sattel sitzen, vom Thron schubsen, zumal der Druck zu Demokratisierung und Entwicklung, den man einst an Zusammenarbeit und Hilfe binden konnte, durch das starke Auftreten von China als Alternativpartner genommen wird. Aber: Europa kann aufhören, durch rücksichtsloses Handeln Menschen in Afrika ihre Perspektive zu nehmen. Beispiel Handelspolitik:… Die Gewerbe vor Ort sind der europäischen Konkurrenz oft schlicht nicht gewachsen, insbesondere Agrarsubventionen für europäische Produzenten zerstören in sogenannten Partnerstaaten ganze Wirtschaftssektoren. Beispiel Fischerei:… Diverse Fischbestände (wurden) so weit geplündert, dass afrikanische Fischer und die lokal ansässigen weiterverarbeitenden Betriebe vor dem Nichts stehen.

Es ist nichts Neues, dass manch ein afrikanischer Staatschef nicht im Interesse seiner Bevölkerung handelt und entsprechende Verträge aushandelt, auch mit Europa. Die Europäer sollten dann aber auch nicht so tun, als wären sie an einer Entwicklung unbeteiligt, die Menschen so sehr verzweifeln lässt, dass sie ihre Heimat aufgeben. Wir in Europa sind nicht allein verantwortlich für ein globales Flüchtlingselend – aber: Wir in Europa profitieren von dem Handel mit Afrika, wie er derzeit geschieht. Und nicht wenige Flüchtlinge sind Teil der Handelsbilanz.

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