KARPFENTEICH

Welch eine Farce! Oder sollte man lieber “Posse” sagen? Nein, Letzteres haben die Kriegsveteranen, die zu dieser Feier in die Normandie angereist sind, wahrlich nicht verdient. Was sich in den letzten Stunden ihre politische Nachfolgegeneration leistet, das ist das unwürdige Schauspiel einer Scheinfeier, die nur noch Fremdschämen hervorruft.

Die Bundeskanzlerin, die mit ihren Luft-Küssen bisweilen auch nicht vor fragwürdigen Machthabern zurückschreckt, straft jetzt den nicht nur bei ihr vorübergehend in Ungnade gefallenen Wladimir Putin mit einem eiskalten Blick, gegen den Reserviertheit schon eine Sympathie-Geste wäre. US-Präsident Barack Obama schleicht bis zum späten Nachmittag im großen Sicherheitsabstand am Kreml-Chef vorbei. Francois Hollande traut sich nicht beide gemeinsam zu Tisch zu bitten. Der britische Premier David Cameron verweigert Putin den Handschlag. Geht’s noch? Und wenn geredet wird, dann scheint eher eine verbale Tortenschlacht in Sicht, als das allseitige Bemühen um Verständigung und Friedenssicherung.

Was hier und heute zum Gedenken der mutigen Soldaten von einst stattfinden sollte, ist zu einer blamablen diplomatischen Entgleisung der Hauptpersonen missraten. Man mag sich gar nicht ausdenken, was wohl heute vor 70 Jahren geschehen wäre, wenn die gegenwärtigen Streithähne eine Allianz gegen den Faschismus bilden müssten… Natürlich, Putin hat mit der Annexion der Krim gegen das Völkerrecht verstoßen, aber – nota bene – nachdem die EU mit der gierigen Erweiterungspolitik gen Osten ihm auf den Pelz gerückt ist. Das soll sein Vergehen nicht entschuldigen. Aber wer den Noch-NATO-Generalsekretär Rasmussen mit dem Säbel rasseln hört, dem kann Angst und Bange werden. Doch allzu leicht werden Ursache und Wirkung verwechselt.

Es wird allerhöchste Zeit, dass diesem schlafwandlerischen Zutreiben auf einen bislang für unmöglich gehaltenen nächsten Krieg Einhalt geboten wird. Putin hat mit der Krim ohnehin einen Pyrrhus-Sieg errungen, ein weiterer Krieg wird nur noch Verlierer kennen. Was wäre besser geeignet, das in Erinnerung zu rufen, als ein Gedenktag an den D-Day von 1944! Die Mächtigen dieser Welt sind dabei, diese Chance zu verspielen. Es soll hinterher niemand sagen, er habe es nicht gewusst…

(Ng/mu)

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