KARPFENTEICH

Plötzlich ist Bewegung im Klimaschutz und das nach Jahren des Stillstands. Die USA wollen ihre Kraftwerke sauberer machen und den CO2-Ausstoß daraus bis 2030 um fast ein Drittel verringern. China verdoppelt seine Ziele beim Ausbau von Wind- und Sonnenkraft und scheint endlich dazu bereit zu sein, sich auf feste Obergrenzen bei seinen Emissionen einzulassen. Ausgerechnet die Staaten, die bisher als Bremser im Klimaschutz galten, sorgen jetzt für gute Stimmung bei der Klimakonferenz in Bonn…

Man reibt sich verwundert die Augen, woher kommt die plötzliche Wende? Wirbelstürme, Hitzewellen und Überschwemmungen aus der letzten Zeit könnten Eindruck gemacht haben, vielleicht auch der neue Sachstandsbericht des Weltklimarats IPCC. Der hat noch deutlicher als seine Vorgänger gezeigt, dass ein weiterer Anstieg der Treibhausgasemissionen die Lebensgrundlagen der Menschheit bedroht.

Doch wirklich neu ist etwas anderes: Nie war es so billig, das Klima zu schützen. Sonnenenergie und Windkraft sind heute oft auch rein wirtschaftlich gesehen günstiger als Energie aus Kohle, Öl und Gas, erst recht dann, wenn die Schäden für Umwelt und Gesundheit durch die Luftverschmutzung mitgerechnet werden. Kein Wunder, dass die erneuerbaren Energien derzeit vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländern massiv ausgebaut werden; diese Staaten müssen besonders auf die Kosten achten. Der Fortschritt geht hier noch schneller voran, als es selbst Optimisten früher für möglich gehalten hatten.

Leider löst sich das Problem der Erderwärmung damit nicht in Wohlgefallen auf. Die Welt ist immer noch auf dem Weg zu einer Erwärmung um deutlich mehr als drei Grad in diesem Jahrhundert, und um davon abzugehen, ist nicht nur ein schnellerer Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energiequellen nötig, sondern auch ein Stopp der Treibhausgasemissionen aus Verkehr, Landwirtschaft, Industrie und privaten Haushalten. Immerhin: Der Kampf darum sieht nicht mehr aussichtslos aus.

Das sollte ein Grund für die Europäische Union sein, wieder die Vorreiterrolle beim Klimaschutz zu übernehmen. Die hat sie auf bemerkenswert peinliche Weise abgegeben: Die EU hat sich selbst so laue Ziele gesetzt, dass sie sie selbst dann deutlich übertreffen wird, wenn sie in den nächsten Jahren überhaupt nichts mehr für das Klima tut. Erfreulicherweise sind manche Mitgliedsstaaten hier weiter, zum Beispiel Deutschland.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks hat heute in Bonn ein Zusatzprogramm für den Klimaschutz im Inland angekündigt, außerdem will Deutschland mehr Geld für den “Grünen Klimafonds” geben, der Entwicklungsländern hilft, mit den Folgen der Erwärmung fertig zu werden. Auch das ist ein ermutigendes Signal für ein Ende des Stillstands im Klimaschutz. Vielleicht schafft Hendricks es ja auch, ihre Kollegen in der Europäischen Union zu höheren Ambitionen zu bewegen.

Tweet about this on TwitterShare on Facebook0Share on Google+0Share on LinkedIn0
Author :
Print