KARPFENTEICH

In Kasachstan trafen heute mit Putin, Lukaschenko und Nasarbajew drei Männer aufeinander, die es der Welt, zumindest der Europäischen Union, mal zeigen wollen. Die Eurasische Wirtschaftsunion soll einen zumindest geografisch riesigen Wirtschaftsraum erschließen und eifert dabei ausgerechnet dem Modell nach, das man offiziell ablehnt, die EU nämlich. Doch die Größe allein sagt zunächst noch wenig über Sinn und Effizienz aus…

Die beiden kleineren Staaten, Belarus und Kasachstan, sehen am Beispiel der Ukraine, dass abweichende Meinungen gefährliche Folgen haben können… Als Kiew den Blick von Moskau abwandte und nach Brüssel blickte, folgte die Strafe auf dem Fuße: die Destabilisierung des Landes, die Streichung der Rabatte für Erdgas, die Annexion der Krim und letztlich auch die kriegsähnlichen Zustände in der Ostukraine… Lukaschenko und Nasarbajew, beide nicht gerade ur-demokratische Präsidenten, können sich deshalb leicht vorstellen, was der Liebesentzug des Kreml für sie für Folgen haben könnte. Dass Moskau gerade dabei ist, “russische Erde einzusammeln”, wie euphemistisch imperiale Attitüden verbrämt werden, beunruhigt Lukaschenko, und auch der kasachische Präsident bekräftigt die politische Souveränität und die Unabhängigkeit seines Landes in seiner Begrüßungsrede gewiss nicht grundlos…

Putin wähnt sich ohne Zweifel auf dem Gipfel seiner Macht. Eine Wirtschafts- und Zollunion, die zwar ohne das Kronjuwel Ukraine und gewiss auch ohne das Baltikum trotzdem ein bisschen nach Sowjetunion schmecken könnte, weckt Appetit auf mehr. Russland ist der Markt für viele Produkte aus den armen Nachbarländern, die sonst auf dem Weltmarkt kaum konkurrenzfähig sind. Und Russland ist der große Bruder, der nach Belieben den Daumen heben oder senken kann… Da wirkt die Einladung aus dem Kreml wie ein Angebot, das man eigentlich nicht ablehnen kann, wenn der Pate aus Moskau es macht.

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