KARPFENTEICH

Armes Frankreich! Das Führungspersonal des Landes bedient all die Karikaturen, die die Rechtsextremen vom politischen System zeichnen. Ein angeschlagener Präsident trat neben Trikolore und vor die Kameras, um dem Wahlsieg des Front Nationale eine präsidiale Rede entgegenzusetzen. Die Absicht war gut, die Ausführung mäßig, aber vor allem ist Francois Hollande politisch zu schwach, um Europa das Leben einzuhauchen, das es braucht, um die Dynamik einer Marine Le Pen zu stoppen. Dass der Präsident die Hauptverantwortung Europa zuschob, auch das wird die Le Pens gefreut haben: Brüssel-Bashing ist ihr tägliches Brot.

Und als wäre das nicht genug, versinkt zwei Tage nach dem Wahldebakel vom Sonntag Frankreichs größte Oppositionspartei in einem Sumpf aus Affären und Machtkämpfen. Ein Ex-Präsident, der manchem in der konservativen Ecke als Rettungsschild gegen die extreme Rechte galt, hat einen Wahlkampf wider alle Regeln geführt, ließ zu oder wusste gar, dass Unterlagen gefälscht wurden, um Kosten zu kaschieren. Handlager von Sarkozy waren Freunde des Parteichefs Copé, der nun zwar den Hut nahm, aber dennoch “Verrat” ruft. Die Hahnenkämpfe in der UMP gehen weiter.

Das Misstrauen aller gegen alle war auch heute zu spüren, und es wird anhalten. Denn es ist keineswegs sicher, ob es im Herbst vorbei sein wird, wenn die neue Parteispitze gewählt ist. Denn 2017 haben sie alle im Sinn – die nächsten Präsidentschaftswahlen. Auch Marine Le Pen hat dieses Datum fest im Blick. Mit einem widerspenstigen oder gar affärengeschüttelten Parteiapparat muss sie sich nicht herumschlagen. Sie muss allenfalls aufpassen, was ihr Vater, der Holocaust-Verharmloser, öffentlich von sich gibt. Ansonsten hat sie freie Bahn. Die UMP mit sich selbst beschäftigt, der geschwächte Präsident mit nahezu leerem Instrumentenkasten – einen politischen Gegner muss die Front-Nationale-Chefin gerade wirklich nicht fürchten.

Gut nur, dass die Bürger Frankreichs besser sind als ihr Führungspersonal, und natürlich besser, als es das starke Abschneiden der extremen Rechten bei den Europawahlen glauben macht. Wenn die Konservativen sich sortieren, wenn die Sozialisten die Reformpolitik ihres Präsidenten nicht torpedieren und wenn sich wirtschaftliche Erholung einstellt, dann muss sich Marine Le Pen allerdings deutlich mehr einfallen lassen als ihre simplen Rezepte in schwierigen Zeiten.

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