KARPFENTEICH

Die Atomstiftung – ein plumper Versuch, die Kosten auf die Allgemeinheit abzuwälzen oder vielleicht doch ein erwägenswertes Angebot? Immerhin gehören zumindest zwei der drei ganz großen Energieversorger zum Teil Ländern und Kommunen…

Klar, klar – so habt Ihr Euch das vorgestellt. Netter Versuch. Aber danke, oder auch vergesst es einfach, Freunde! Das wären die ersten logischen Antworten auf den Vorstoß der Energiekonzerne. Jahrzehntelang haben sich die großen Stromanbieter mit ihren Atomkraftwerken einen goldenen Stecker verdient; haben sich vom Staat helfen und subventionieren lassen. Und jetzt, wo es zu Ende geht mit der Atomkraft, wollen sie die Kosten für den Abbau ihrer Kraftwerke lieber auf den Bund abschieben. Das klingt einfach zu billig.

Gucken wir trotzdem kurz auf die andere Seite. Spricht irgendwas dafür, sich mit dem Vorschlag der drei zumindest auseinanderzusetzen? Leider, ja. Erstens – das Fähigkeitsargument. Die Stromkonzerne irrlichtern seit Beginn der Energiewende einigermaßen planlos durch die Landschaft. Wollen wir tatsächlich, dass diese Leute für die Verschrottung unserer Atomhinterlassenschaft zuständig sind? Es droht eine halbgare Billiglösung.

Zweitens – das Kostenargument: Die Unternehmen haben 30 Milliarden Euro für den Rückbau von Atomkraftwerken beiseite gelegt; sie klagen aber auch gegen den Atomausstieg. Wenn sie Erfolg haben, könnte das den Staat etliche Milliarden kosten. Mit einer Stiftung wären wir zumindest dieses Risiko los.

Drittens – das Energiewendeargument: Würde der Bund die Atomkraftwerke übernehmen, könnten wir endlich versuchen, die Energiewende voranzubringen, Atomkraft und erneuerbare Energien in den nächsten Jahren sinnvoll zusammenspielen zu lassen.

Es bleibt eine traurige Situation: Wir haben die Reste von zig Jahren Atomkraft an der Backe, und wir haben Leute in den Stromkonzernen, denen wir nicht wirklich zutrauen, sie ordentlich zu entsorgen. Zwingen wir sie dazu, oder nehmen wir ihre Rücklagen, zahlen vermutlich noch etwas drauf und machen es selbst? Oder klarer: Entweder die Steuerzahler zahlen die Kosten für den Atommüll oder die Stromkunden? Noch komplizierter: Wem gehören EnBW und RWE zumindest teilweise? Richtig, Ländern und Gemeinden. Am Ende bleibt eine Erkenntnis: Die Anti-Atom-Bewegung hatte einfach Recht, schon damals – es wird teuer.

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