KARPFENTEICH

Fracking – nein, danke! Öffentlichkeitswirksam haben sich die Umweltminister der Länder heute gegen die umstrittene Methode zur Gasförderung ausgesprochen. Allerdings zu sagen haben die Minister bei dem Thema wenig. Denn Fracking fällt unter das Bergrecht und damit in die Zuständigkeit der Wirtschaftsminister. Und derzeit bereiten die Wirtschaftsminister einiger Länder – allen voran Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern – durch die Hintertür einen Einstieg in das Fracking in Deutschland vor.

Hintergrund sind ganz handfeste wirtschaftliche Gründe. Ganze 600 Millionen Euro bekommt zum Beispiel Niedersachsen Jahr für Jahr von der Erdgas-Industrie für den geförderten Rohstoff. Zum Vergleich: Das ist dreimal so viel wie der Anteil des Landes an VW wert ist. Pech ist nur, dass die Erdgasförderung in Deutschland seit Jahren sinkt und damit Industriestätten gefährdet sind. Das Fracking soll es jetzt herausreißen.

Dabei unterscheidet die Branche aber zwischen “gutem” und “schlechtem” Fracking. Das “gute” Fracking ist schon seit 1961 mehrfach in Niedersachsen durchgeführt worden und soll jetzt nach jahrelangem Moratorium in Mecklenburg-Vorpommern zum Einsatz kommen. Dabei geht es darum, dass Gas aus tiefen Sandsteinschichten herauszuspülen. Dieses Verfahren ist nicht so umweltschädlich wie das sogenannte “schlechte” Fracking in tiefem Schiefergestein, weil nicht so viele umweltschädliche Stoffe eingesetzt werden. Deshalb erwarten Niedersachsen und auch Mecklenburg-Vorpommern bei ihrem Vorstoß auch längst nicht den Gegenwind wie beim Schiefer-Fracking, gegen das sich die Umweltminister heute ausgesprochen haben.

Die Erdgas Lobbyisten bedienen sich auch der Ukraine-Krise, um ihre Anträge auf Fracking durchzusetzen. Doch das ist ein Argument, das nicht zieht. Die in Norddeutschland zu fördernden Gasmengen sind so gering, dass sie ganz sicher keine Alternative zum Import russischen Gases darstellen. In Deutschland wird Fracking deshalb immer eine Randerscheinung bleiben. In den USA und Kanada hingegen hat es in den vergangenen fünf Jahren einen solchen Boom gegeben, dass das prognostizierte weltweite Aus für Öl und Gas noch 20 bis 30 Jahre nach hinten verlagert wurde.

Trotzdem ist das Manöver durchsichtig: Industrie und Politik wollen den Fuß in der Tür behalten, um die Erdgasförderung in Deutschland zu legitimieren. Und die Umweltminister haben heute zwar Reformen beschlossen; jetzt muss sich allerdings zeigen, ob die Umweltinteressen die Wirtschaftsinteressen schlagen können. Für die sehr umtriebigen Bürgerinitiativen in Norddeutschland bedeutet das: Die Fracking-Gefahr ist noch längst nicht gebannt, auch wenn es völlig unrealistisch ist, dass in den kommenden Jahren in Norddeutschland mit dem Schiefer-Fracking begonnen wird. “Fracking – nein, danke” – das heutige Motto der Umweltminister wird Norddeutschland auch noch die kommenden Jahre bewegen.

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