KARPFENTEICH

Energie darf nicht zur Waffe werden, sagte Energieminister Gabriel in Rom… Doch was wie eine deutliche und entschlossene Ansage klingen sollte, ist nicht mehr als das sprichwörtliche Pfeifen im Wald. Denn Energie, die Verfügungsgewalt über Öl, Gas und Pipelines ist schon längst eine der wichtigsten Waffen in großen und kleinen Konflikten…

Und nicht nur das: Energie, der Streit um Zugang zu diesem unverzichtbaren Lebenselixier unserer hypermobilen Welt, ist immer häufiger selbst Auslöser für Krisen und Kriege. Der aktuelle Konflikt um die Ukraine ist in beiderlei Hinsicht ein Beleg dafür. Die Ukraine war und ist als wichtigstes Gas-Transitland für den Kreml besonders wichtig. Und Putin bezieht nicht nur im aktuellen Konflikt einen Großteil seines Selbstbewusstseins aus der Tatsache, dass er mit der Gaswaffe sowohl die Ukraine als auch große Teile Westeuropas unter Druck setzen kann.

Die Hilflosigkeit des Westens resultiert allerdings nicht allein aus der Skrupellosigkeit des russischen Präsidenten. Europa ist zum großen Teil selbst schuld an der Zwickmühle, in der es jetzt steckt. Denn viel zu lange hat man die Warnungen vor dem Versiegen der Öl- und Gasquellen und der wachsenden Abhängigkeit der EU von Energie-Importen in den Wind geschlagen…

Bislang fanden die Energiekriege weit weg von Europa statt, doch mit der Ukraine-Krise bekommen wir diese fatale Entwicklung direkt vor unserer Haustür zu spüren. Es gibt keinen kurzfristigen, ja nicht einmal einen mittelfristigen Ausweg aus dieser Energiefalle… Die einzig wirksamen Rezepte wirken nur langfristig: Umstieg auf Erneuerbare, mehr Energie-Effizienz, Flüssiggas und neue Pipelines – und für manche auch Atomkraft. Denen sei allerdings ein Blick in die Ukraine empfohlen: Dort steht mahnend nicht nur die Ruine von Tschernobyl, sondern weitere fünfzehn Atomkraftwerke, deren Sicherheit im aktuellen Konflikt bestimmt nicht größer geworden ist.

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