KARPFENTEICH

Angela Merkel ist als ungeliebte Nachhilfelehrerin nach Washington gekommen, die Republikanern, Demokraten und dem US-Präsidenten in nur vier Stunden wenigstens das kleine ABC der höchst komplexen Ukraine-Diplomatie vermitteln will, damit die USA nicht weiterhin ihre Simpel-Strategie verfolgen und blind an der Sanktionsschraube drehen. Doch Merkels Erfolgschancen sind gering.

Kaum war die deutsche Kanzlerin in der US-Hauptstadt eingetroffen, da warf der ehemalige republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain seine sattsam bekannte Dreckschleuder an und karikierte Merkel als eine peinliche Dienerin von Siemens, Volkswagen, ThyssenKrupp und Co…. Auch die Obama-Regierung hat Merkel im Verdacht, mit Rücksicht auf deutsche Wirtschaftsinteressen und aus Dankbarkeit für die deutsche Wiedervereinigung zu zaghaft gegenüber Moskau zu agieren.

Merkel hat in Washington die undankbare Aufgabe, den Amerikanern das komplexe Europa zu erklären und McCain und Obama darüber zu informieren, dass einige osteuropäische Länder zu einhundert Prozent von russischem Gas abhängig sind und deshalb aus schlichten Gründen des Überlebens im Winter nicht einfach mal eben an der Sanktionsschraube drehen können. Die deutsche Kanzlerin muss Obama vermitteln, dass sie nicht mal eben in Brüssel auf den europäischen Tisch schlagen und die EU auf die amerikanische Linie der verschärften Sanktionshärte gegenüber Moskau bringen kann, weil dieses brachiale Vorgehen Europa ähnlich spalten würde wie die Ukraine und Putin sich dann erst recht die Hände reiben könnte.

Merkels Plädoyer für eine Doppelstrategie aus Sanktionsentschlossenheit und Gesprächsbereitschaft, aus Härte und Diplomatie gegenüber Putin, kommt in Washington nicht sonderlich gut an. Genauso wenig wie ihr Versuch, Obama zum Einlenken in der NSA-Affäre zu bewegen und nicht kollektiv alle Deutschen wie potenzielle Terroristen zu behandeln, die man lückenlos bespitzeln und belauschen muss. Viel hilft viel, heißt die durchgängige US-Devise…. Gegen dieses schlichte Denkmuster im Weißen Haus und im Kapitol hat die Nachhilfelehrerin Angela Merkel keine Chance, zumal die US-Regierung Deutschland ohnehin nicht sonderlich ernst nimmt.

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