KARPFENTEICH

Zuletzt waren (die Kundgebungen zum 1. Mai) doch oft recht traurige Veranstaltungen… In diesem Jahr ist das anders. Die Gewerkschaften haben wieder Erfolge vorzuweisen.

Erstens tarifpolitisch: Nach mageren Jahren gibt es wieder deutlich steigende Löhne, z.B. in der für Nordrhein-Westfalen so wichtigen Chemieindustrie oder zuletzt im Öffentlichen Dienst bei Bund und Kommunen.

Zweitens organisatorisch: Die lange Zeit deutlich negative Mitgliederentwicklung ist gestoppt. In einigen Bereichen gibt es sogar zarte Zuwächse, zum Beispiel bei dem arg von Austritten gebeutelten gewerkschaftlichen Großgemischtwarenladen Verdi.

Und drittens politisch: Die Einführung des früheren Rentenbeginns mit 63…, auch die günstigeren Regelungen für Erwerbsgeminderte – das sind Erfolge der Gewerkschaften… Der von der Koalition vereinbarte gesetzliche Mindestlohn wäre ohne das Beharren der Gewerkschafter kaum möglich gewesen.

Keine Frage, all das sind Gründe, frohen Mutes am 1. Mai zu feiern. Allerdings sollten sich IG Metall, Verdi, IG BCE und Co. nicht in einer gewerkschaftlichen Komfortzone einrichten. An Gehaltserhöhungen hat man sich schnell gewöhnt. Der politische Ruhm für sozialpolitische Fortschritte verblasst rasch, und die Regierungsparteien CDU wie SPD verkaufen besser Rentenregelungen und Mindestlöhne gerne als eigene Erfolge.

Die Stärke der Gewerkschaften kann nur aus den Betrieben, aus den Verwaltungen kommen. Gerade junge Leute wollen ganz genau wissen, was sie konkret von einer Gewerkschaftsmitgliedschaft haben… Leisten Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter gute Arbeit, dann treten die Leute ein… Zu tun gibt es für Gewerkschaften genug.

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