KARPFENTEICH

Der 1. Mai 2014

Der erste 1. Mai, den die Arbeiterschaft in Deutschland 1890 als ihren Tag proklamierte, war Klassenkampf pur – und zog Unruhen im Kaiserreich bis in den Spätsommer. Heute ist der 1. Mai ein Feiertag – und ihn werden so viele Beschäftigte in Deutschland begehen wie nie zuvor. Dass wieder weniger als drei Millionen Menschen in Deutschland arbeitslos sind, ist die passende Nachricht zum Tag der Arbeit. Doch gerade, wenn es auf dem Arbeitsmarkt gut läuft, wäre es an der Zeit, sich um jene zu kümmern, an denen der Aufschwung vorbeigeht. Rund eine Million Menschen sind seit längerer Zeit arbeitslos, die Hälfte gilt der Bundesagentur als “schwer vermittelbar”. Man kann einen solchen “Sockel” als unverrückbar hinnehmen, man muss aber nicht. Arbeitsministerin Nahles plant ein aktives Programm mit 30000 über 18 Monate geförderten Jobs – eine halbherzige Nebelkerze. Menschen, die absehbar nicht mehr Tritt fassen im 1. Arbeitsmarkt, kann der Staat nur mit dauerhaften Lohnzuschüssen in Arbeit bringen und halten. Dass man sie damit als vollwertige Arbeitskräfte aufgäbe, wäre bitter. Aber besser, als sie vom einen ins nächste Programm zu schieben.

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