KARPFENTEICH

Griechenland ist also aus dem Gröbsten raus! Na wunderbar. Für Statistiker mag es ja ein Festtag sein, wenn man mit allerlei Kniffs eine Zahl aus dem Hut zaubert, hinter die man das Wort “Überschuss” setzen kann. “Primärüberschuss” heißt das dann: Wir nehmen mehr ein, als wir ausgeben, wenn man mal großzügig ist und bei diesen Ausgaben nicht mit berechnet, was Griechenland für seine horrende Staatsverschuldung bezahlen muss – eine Kleinigkeit von rund 10 Milliarden Euro pro Jahr, die da unter den Tisch fällt. Die schwäbische Hausfrau würde sagen: Mein Konto ist im Plus, wären da nur nicht die laufenden Kosten für Miete, Heizung, Auto, Versicherungen.

Trotz eines sogenannten Überschusses wird das Land also auch weiter Jahr für Jahr neue Schulden anhäufen. 175 Prozent der Wirtschaftsleistung sind schon erreicht, auch die 200 Prozent sind nicht mehr fern. Aber egal – 30 Tage vor der Europawahl haben die Regierungen mal wieder eine gute Nachricht für ihr Publikum aus der Serie “Die Euro-Krise ist vorbei. Es war also doch gut, unser Krisenmanagement”. In die gleiche Richtung geht auch die Botschaft, dass Griechenland dieses Jahr nun wieder ein Wachstum erreichen wird. Kunststück – man muss eben nur tief genug stürzen, dann fühlt sich sogar der harte Aufprall auf dem Boden wie ein Aufschwung an.

Die Menschen in Griechenland, die ihren Job verloren haben ohne Aussicht auf einen neuen, denen die Rente gekürzt und die Krankenversicherung gestrichen wurde, die haben nichts vom heute verkündeten “Primärüberschuss”. Und dass sie Regierungschef Samaras dafür mit ihrer Stimme belohnen werden, danach sieht es nicht aus. Schon jetzt liegt seine konservative Partei hinter dem Linksbündnis Syriza, und die Nazis von der “Goldenen Morgenröte” halten sich auf Platz vier. Keine von diesen beiden Parteien will sich aber fügen ins Troika-Programm. So muss also nur die jetzige Koalition in Athen implodieren, zum Beispiel nach Erdrutsch-Siegen für die Radikalen bei der Europawahl, dann haben auch die Euro-Partner wieder ein Problem. Denn spätestens dann ist die Euro-Krise wieder da.

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