KARPFENTEICH

In den Achtziger Jahren waren bis zu eine Million Leute auf den Beinen, inzwischen sind es maximal ein paar Tausend. Aber der Sprecher des Organisationskreises Ostermarsch Rhein-Ruhr sagt, die Positionen der Teilnehmer seien weiterhin von der Bevölkerung getragen. Nein, das sind sie nicht, denn der Großteil der Bevölkerung weiß es besser.

Die so genannten Friedensaktivisten malen ein Schwarzweißbild, das im Jahr 2014 nicht mehr tragbar ist. Ihre Feindbilder, ganz klassisch: NATO und EU. Dort säßen deshalb auch die Schuldigen für die jetzige Krise in der Ukraine. Wenn einige Teilnehmer der Ostermärsche ganz unverfroren sagen, der Westen wolle sich die Ukraine untertan machen und Russlands Präsident Putin werde zu Unrecht in den Medien kritisiert, dann muss man sich fragen, ob die Teilnehmer der Ostermärsche die völkerrechtswidrige Annexion der Halbinsel Krim im Februar schon vergessen haben. Von den gewalttätigen russischen Separatisten in ostukrainischen Städten mal ganz zu schweigen. Nein, der Großteil der Bevölkerung in Deutschland ist ganz sicher nicht dieser Meinung und nimmt deshalb zu Recht nicht an den Ostermärschen teil…

Die Ostermärsche sind in ihrer jetzigen Form nicht mehr zeitgemäß. Die Organisatoren müssen sich Gedanken machen, wie sie ihren Protest ins 21. Jahrhundert bringen. Denn nicht alle Forderungen sind per se falsch: Dass Deutschland der drittgrößte Waffenexporteur der Welt ist, darf zu Recht kritisiert werden; genauso, dass Rüstungsgeschäfte Regierungssache sind und über sie geheim im Bundessicherheitsrat entschieden wird anstatt öffentlich im Bundestag.

Bei den Ostermärschen wirken diese Themen wie Randaspekte. Sie müssen mehr in den Vordergrund, wenn die Bewegung eine Zukunft haben will. Und die Organisatoren müssen sich fragen, ob sie nicht die Zeichen der Zeit verschlafen haben. Denn wirkungsvoller Protest funktioniert oft nicht mehr mit Fahnen und Fahrrad-Demos, sondern online mit einer Petition – übrigens im Vertrag über die Arbeitsweise der EU als Grundrecht eines jeden Bürgers festgehalten.

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