KARPFENTEICH

Nur in einem sind sich Politiker, Ärzte und Klinikbetreiber einig: Das Gesundheitssystem muss dringend reformiert werden. Und so wird es wieder eine Gesundheitsreform geben – nach 2011, 2007, 2004, 2003… Der jetzt von den Ländern aufgewärmte Gesundheitsfonds für die Umwandlung von Kliniken war schon Gegenstand der schwarz-roten Koalitionsverhandlungen im vergangenen Jahr. In letzter Minute strichen die Parteispitzen den als Abwrackprämie für Krankenhäuser kritisierten Millionenbetrag wieder – nicht zuletzt aufgrund des Drucks aus Bayern. Doch es führt kein Weg an einem Umbau der Kliniklandschaft vorbei. Einerseits gibt es in keinem OECD-Land in Relation zur Bevölkerung mehr Klinikbetten, andererseits wird der Bedarf an Pflegeeinrichtungen rasant steigen. Ohne finanzielle Anreize wird es aber nicht gelingen, Kommunen oder private Träger zur Umwidmung von Betten zu bewegen. Die Struktur des Kliniksektors und dessen Finanzierung ist nur ein Teil der erforderlichen Reformen. Die Qualität ist der andere, und der ist für die Patienten noch wichtiger. In einem System, das über Pauschalen einen möglichst kurzen Klinikaufenthalt – in Reha-Kliniken auch blutige Entlassung genannt – honoriert, bleiben Qualität und individuelle Behandlung oft auf der Strecke. Man muss sich nichts vormachen: Hightech-Medizin, über deren Einsatz jeder geheilte Patient froh ist, und eine älter werdende Gemeinschaft werden die Gesundheitskosten für alle erhöhen – Klinikträger, Versicherte sowie Bund und Länder. Kompromisse sind da unvermeidlich – nur bei der medizinischen Qualität darf es die nicht geben.

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