KARPFENTEICH

Natürlich spielt die Ukraine am Rande eine zentrale Rolle – Zitatende, und zitiert wurde der Bundesfinanzminister. Man weiß nicht, ob es ein Freudscher Versprecher oder ein mit Bedacht gewähltes Wortspiel war. In jedem Fall brachte Wolfgang Schäuble damit die vorherrschende Stimmung beim IWF-Frühjahrstreffen auf den Punkt. Die Ukraine spielte tatsächlich eine zentrale Rolle – auf den Gängen, auf den Fluren und in den kleinen Besprechungszimmern, wo jeder mit jedem redet, eben am Rande dieses Treffens.

Klar wird damit allerdings auch: Die Krise in der Ukraine und um die Ukraine ist eher ein europäisches und vielleicht noch ein transatlantisches Thema. Chinesen, Brasilianer oder Australier bringt die noch nicht um den Schlaf, was vielleicht daran liegt, dass diese Krise noch nicht auf die Weltkonjunktur übergeschwappt ist. Das Zeug dazu hätte sie, wenn jetzt nicht aufgepasst wird. Denn die Zutaten für eine Eskalation liegen bereit: bei den russischorientierten Hitzköpfen in der Ostukraine, bei der Regierung in Kiew, die offenbar an ein Naturrecht auf günstige Gaspreise glaubt, bei Wladimir Putin, der in Gashähnen und -pipelines ein altes Erpressungsinstrument neu entdeckt, aber auch bei der US-Regierung in Washington, die forsch neue Sanktionen gegen Russland verhängt und weitere ankündigt, sollte Moskau den Konflikt weiter so anheizen wie etwa in dieser Woche.

Das alles weckt ungute Gefühle, denn eine überzeugende Antwort, wie mit dieser Krise und ihren Verursachern, also mit der Ukraine und Russland, umzugehen ist gab es in Washington noch nicht. Immerhin blieben die westlichen Industriestaaten geschlossen bei ihrer Haltung, Russlands Vorgehen unmissverständlich zu missbilligen, auch wenn die Rollen verteilt waren. Die spielten den “bad Cop”, den raubeinigen Weltpolizisten, der Russland offen mit Sanktionen droht; Deutschland dagegen spielte den “good Cop”, übernahm also den Part des Polizisten, der gegenüber Russland verständnisvoll auftritt, ohne dabei gleich – wie die Amerikaner – mit dem Holzhammer der Sanktionen daher zu kommen.

Ein Wolfgang Schäuble will erst einmal weiter mit den Russen reden, ihnen sogar Recht geben, wenn sie auf bockbeinige Ukrainer zeigen, die partout ihre Gasrechnungen nicht bezahlen wollen. Und ein Wolfgang Schäuble will die Russen wieder ins Boot holen bei der Suche nach einer konstruktiven Lösung. Eine nüchterne Analyse gibt ihm Recht. Die Ukraine ist im Inneren zerrissen in einen einst habsburgischen und heute immer noch europäisch tickenden Westteil, und einen russischorientierten Ostteil. Sie hat eine schwache Regierung und Politiker, die Moskau entweder unversöhnlich gegenüberstehen, oder bei Wladimir Putin am liebsten auf dem Schoß säßen. Angesichts dieser Zerrissenheit kann es nur eine Lösung mit, und nicht gegen Russland geben.

Es ist einfach vermessen, zu glauben, dass der Westen, wie man neuerdings wieder sagt, die Ukraine mit Milliardensummen stützen könnte, wenn dieses Land gleichzeitig in voller Konfrontation zu seinem übermächtigen Nachbarn Russland verharren sollte. Das wird nie funktionieren. Und deshalb ist jeder Gedanke, wie man Russland wieder mit ins Boot kriegt, ein lohnender Gedanke. Wahrscheinlich wird am Ende die Ökonomie die Sache richten, denn mit seinem wiedererwachten Großmachtgetue schadet sich Russland selbst am meisten. Das Wachstum schwächelt, Investoren mit russischem, vor allem aber mit ausländischem Pass halten sich zurück. Damit gerät Russland im globalen Wettbewerb noch weiter ins Hintertreffen als es das ohnehin schon ist. So etwas kann sich auch ein in Rohstoffen schwimmendes Land wie Russland nicht leisten, wenn gleichzeitig andere Länder ihre Ressourcen klüger einsetzen und sie eben nicht in militärisches Abenteurertum stecken. Die Herausforderung besteht deshalb darin, dies der russischen Regierung möglichst schnell beizubringen. Denn die Zeit, Russland erst einmal ökonomisch vor die Pumpe laufen zu lassen, um so Einsicht und hoffentlich Umkehr im Kreml zu befördern, hat die Welt eigentlich nicht. Dafür steht in diesem Rest der Welt einfach zu viel auf dem Spiel, und das nicht nur ökonomisch.

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Comments

  1. Dear friends,
    When I read this interesting article , I think about the actual meeting in the International Organisation of united nations
    I read with attention these paragraph:
    “Mit de Russen reden ihnen sogar Recht”= Avec De Russes eux parlent avec le même droit
    « geben, wenn sie auf bockbeinige Ukrainer zeigen, die partout ihre Gasrechnungen nicht bezahlen wollen. Und ein Wolfgang Schäuble will die Russen wieder ins Boot holen bei der Suche nach einer konstruktiven Lösung. Eine nüchterne Analyse gibt ihm Recht. Die Ukraine ist im Inneren zerrissen in einen einst habsburgischen und heute immer noch europäisch tickenden Westteil, und einen russischorientierten Ostteil. Sie hat eine schwache Regierung und Politiker, die Moskau entweder unversöhnlich gegenüberstehen, oder bei Wladimir Putin am liebsten auf dem Schoß säßen. Angesichts dieser Zerrissenheit kann es nur eine Lösung mit, und nicht gegen Russland geben ».= que donnent, s’ils pointent à bockbeinige Ukrainiens, leurs factures de gaz ne veulent pas payer partout. Et Wolfgang Schäuble veut que les Russes obtiennent de nouveau dans le bateau pour trouver une solution constructive. Une analyse sobre prouve le droit. L’Ukraine est à l’intérieur déchiré dans un ancien Habsbourg et aujourd’hui cochant encore partie de l’Europe occidentale, et une partie orientale russe orientée. Elle a un gouvernement faible et les politiciens, le visage soit impitoyable Moscou, ou préfèrent étaient assis à Vladimir Poutine sur ses genoux. Compte tenu de cette crise, il peut avec, et non contre la Russie, que donner une solution.
    (translation in translate google)
    Have a nice day
    Anna

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