KARPFENTEICH

 

Wenn der Geruchssinn versagt: Studie untersucht Zusammenhang zwischen
Parkinson und Geruchssinn

Ein nachlassender Geruchssinn kann verschiedene Ursachen haben. Obwohl die
meisten Menschen mit eingeschränktem Geruchssinn nicht an Parkinson
erkranken, ist dieser bei der Mehrheit der Parkinson-Patienten reduziert.
Tübinger Hirnforscher wollen daher dem Zusammenhang zwischen Riechstörung
und Parkinson mit einer klinischen Studie auf den Grund gehen. Das machen
sie gemeinsam mit der „Michael J. Fox Foundation“ in der „Initiative zu
Progressionsmarkern der Parkinsonkrankheit“ (Parkinson’s Progression
Markers Initiative), kurz PPMI. Das Hertie-Institut für klinische
Hirnforschung der Universitätsklinik Tübingen sucht dafür noch nach
Teilnehmern, die nicht an Parkinson erkrankt sind.

Das Ziel der PPMI ist die Identifikation und Beurteilung von zuverlässigen
Biomarkern, das heißt: objektiven Merkmalen der Parkinsonkrankheit. Mit
ihrer Hilfe soll künftig eine schnelle und verlässliche Testung auf
Parkinson möglich werden. PPMI wird weltweit an 22 Parkinson-Zentren
durchgeführt. Eines von zwei teilnehmenden deutschen Zentren ist in
Tübingen. „Früherkennung ist wichtig für das Verständnis der Ursachen
einer Parkinsonkrankheit und die Entwicklung verbesserter
Behandlungsmethoden“, sagt Professor Dr. med. Daniela Berg,
Forschungsgruppenleiterin am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung
(HIH) und am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE)
Standort Tübingen sowie Oberärztin an der Neurologischen Klinik des
Universitätsklinikum Tübingen. Denn verlässliche Biomarker liefern
wertvolle Informationen für Diagnose, Prognose und Therapie.

Selbst einen Beitrag zur Parkinson-Forschung leisten
Klinische Studien sind ein wesentlicher Schritt, wenn es darum geht neue
Behandlungsstrategien zu entwickeln. „Bei PPMI können auch nicht an
Parkinson erkrankte Menschen einen Beitrag zur Parkinson-Forschung
leisten“, so Berg, die noch Probanden für die Riechstudie sucht. An der
klinischen Studie können Menschen teilnehmen, die mindestens 60 Jahre alt
sind und nicht an Parkinson leiden. Ihre Krankengeschichte darf außerdem
kein Nasentrauma und keine Nasen- oder Nebenhöhlenoperation aufweisen. Der
erste Schritt ist ein Fragebogen rund um den Geruchssinn der potentiellen
Teilnehmer, der sowohl online als auch offline ausgefüllt werden kann. Auf
Grundlage der Antworten können die Forscher ermitteln, ob eine Person
grundsätzlich in Frage kommt. Danach käme ein erster Riechtest, den die
Teilnehmer zusammen mit einem weiteren Fragebogen zu Hause machen können.
Für manche Probanden kann der nächste Schritt auch eine Bildgebung des
Gehirns sein oder weiterer neurologische Untersuchungen. Die Teilnahme auf
jeder weiteren Stufe der Studie ist freiwillig. Außerdem erhalten
Teilnehmer vor jedem weiteren Schritt umfangreiche Informationen, damit
sie eine fundierte Entscheidung treffen können.

Wenn die Nase blind wird
Der Geruchssinn lässt im Alter langsam nach. Eine von zwei Personen über
60 Jahre lebt mit einer Riechstörung. Ein Grund dafür kann sein, dass die
Schleimsekretion in der Nase abnimmt. Diese wird aber dafür benötigt,
Duftstoffmoleküle zum sogenannten olfaktorischen Rezeptor zu
transportieren. Ein weiterer häufiger Grund für eine Riechstörung ist eine
chronische Nasennebenhöhlenentzündung. Aber auch Allergien, Polypen der
Nase oder toxische Reizungen können Geruchsstörungen auslösen. Mediziner
bezeichnen sie als sinunasale Geruchsstörungen. Nicht sinunasale
Geruchsstörungen hingegen können Folge einer Hirnhautentzündung oder von
Kopfverletzungen sein. Auch als Folge von Tumoren oder als
Medikamentennebenwirkung treten Riechstörungen auf. Da die Riechstörung
langsam fortschreitet, wird sie von den Betroffenen häufig nicht bemerkt.
Sieben von zehn Personen, die mit einer Riechstörung leben, erfahren dies
erst nach einer Testung.

Riechstörung kann Warnzeichen für Parkinson sein
Der Verlust des Geruchssinns kann aber auch ein Frühsymptom einer
neurodegenerativen Erkrankung wie Parkinson sein. Denn Riechstörungen sind
ein Begleitsymptom vieler neurodegenerativer Erkrankungen. Rund 96 Prozent
aller neu erkrankten Parkinson-Patienten haben einen Teil ihres
Geruchssinns verloren. „Wir nehmen an, dass die olfaktorischen Störungen
oft mindestens vier bis sechs Jahre vor den motorischen Symptomen des
Morbus Parkinson auftritt“, sagt Daniela Berg, die auch Vorsitzende der
Deutschen Parkinson-Gesellschaft ist. Durch das frühzeitige Auftreten bei
Parkinson besitzen Störungen des Geruchssinns eine besondere Bedeutung in
der Früherkennung und Differenzialdiagnose dieser Erkrankungen. Seine
Erforschung kann daher, so die Neurologin, zu wichtigen Erkenntnissen bei
der Früherkennung der Erkrankung bei gefährdeten Personen führen.

Wer Interesse hat, an der Studie teilzunehmen, kann sich an Professor
Daniela Berg oder Katharina Gauß, Abteilung Neurodegeneration, Hertie-
Institut für Klinische Hirnforschung wenden. Sie informieren ausführlich
über die Studie und schicken auch den Fragebogen zum Geruchssinn, kann er
nicht online ausgefüllt werden, zu.

Telefon: 07071-2983272
E-Mail: Katharina.Gauss@med.uni-tuebingen.de

Fragebogen zum Geruchssinn:
https://www.michaeljfox.org/get-involved/smellsurvey-ml-
screen.php?country=germany

Parkinson-Dossier
http://www.hih-tuebingen.de/parkinson-dossier/

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