KARPFENTEICH

Die Politik lebt vom Kompromiss, und es war allen in der SPD klar, als sie den Koalitionsvertrag unterzeichnet haben: Die doppelte Staatsbürgerschaft in Reinform wird es mit der Union niemals geben. Was jetzt auf dem Tisch liegt, löst nicht alle Probleme, aber es ist ein starkes Signal.

Es war es nicht anders zu erwarten, dass bei der jetzt mühsam gefundenen Einigung zum Doppelpass die einen auf das viel zitierte Glas Wasser schauen und sagen: Es ist halb leer, und die andere Seite feststellt: Schaut genau hin, es ist halb voll! Dass es überhaupt dazu gekommen ist, hatte vor zwei Wochen kaum einer mehr erwartet.

Die Fachpolitiker von SPD und Union hatten sich in Detailfragen verrannt. Es wurde heftig darüber gestritten, wie definiert man “Aufgewachsen sein in Deutschland”. Dabei sind die Sozialdemokraten der Union entgegengekommen. CDU/CSU wollten die deutsche Staatsangehörigkeit nicht allein durch Geburt vergeben. Sie ist für die Konservativen etwas besonderes. Gleichzeitig hat es die SPD geschafft, dass die Tür zur doppelten Staatsbürgerschaft weit aufgestoßen wurde, dahinter kann die Union nicht mehr zurück.

In kleinen Schritten bewegt sich Deutschland hin zu einem modernen Einwanderungsland. Ab sofort gilt für junge Migranten, dass sie mit ihren Wurzeln und Identitäten zu uns gehören. Und fast 90 Prozent von denen, die jetzt den Doppelpass beantragen, werden ihn auch bekommen. Langsam und vorsichtig, aber dennoch herzlich begreift Deutschland endlich, welche Bereicherung darin steckt.

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